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druckerkunst das Anschaffen von Büchern wesentlich leichter u. billiger geworden war, legte sich der Rath zunächst wohl die für die Verwaltung wichtigsten Handbücher zu, dann auch einige von den Druckschriften, die sich auf Naumburg oder dessen Geschichte bezogen. Eine Katalogisirung u. besondere Aufstellung dieser Sammlungen scheint bei deren geringem Umfange lange nicht für nöthig angesehen worden zu sein, auch wird schwerlich eine eigentliche Verwaltung bestanden haben, weil kaum Jemand ausser dem Rathe die angesammelten Schriften benutzte. Im Jahre 1655 wurde die — soweit bekannt -- erste Katalogisirung u. Aufstellung vorgenommen, wie das noch jetzt vorhandene ,,Repertorium derer Bücher, Acten vndt Uhrkundten der Stadtschrei berey, 1655 angefangen“ *) bezeugt.

So wichtig dieser Fortschritt auch in der Entwickelung der Bibliothek war, eine irgend nennenswerthe Aufmerksamkeit wurde ihr in den folgenden 2 Jhrhdten nicht gewidmet u. ihre Vermehrung ging äusserst langsam von statten, weil bestimmte Mittel dafür nicht vorbanden waren. Erst 1853 erfuhr die Bibliothek eine neue, bedeutsame Förderung, deren weittragende Wirkung sich bis auf die jüngste Gegenwart erstreckt hat. Im April des genannten Jahres starb nämlich der Landrath des Naumbnrger Kreises, Geh. Regierungsrath Karl Peter Lepsius, der von treuer Anhänglichkeit an seine Geburtsstadt Naumburg erfüllt gewesen war u. dieselbe u. a. auch durch eifrige Beschäftigung mit der Lokalgeschichte bethätigt hatte, um die er sich die grössten Verdienste erwarb. In der Absicht, das Leben u. Wirken des Verstorbenen bei seiner Vaterstadt in stetem Andenken zu erhalten, übereigneten die hinterlassenen Erben am 18. November 1853 aus der Bibliothek des Erblassers alle diejenigen Bücher u. Manuskripte, welche Stadt u. Hochstift Naumburg betrafen – ungefähr 400 Bde – der Stadt Naumburg als Geschenk. Als Bedingung, zu deren Erfüllung die Stadtbehörden sich bereit erklärten, wurde festgesetzt, dass die Bibliothek unter dem Namen Bibliotheca Lepsia na als unveräusserliches Eigenthum in einem passenden Lokale des Rathhauses anfgestellt werde, der Zutritt aber einem Jeden u. die Benutzung dem Freunde der Lokalgeschichte zu gewähren sei**). Gleichzeitig schenkte ein Miterbe u. Sohn des Verstorbenen, der jetzige Geh. Regierungsrath u. Oberbibliothekar Professor Dr. Richard Lepsius in Berlin, seiner Vaterstadt das von ihm herausgegebene grosse Denkmälerwerk über Aegypten mit der Zusage, auch die künftigen Lieferungen je nach Erscheinen zu übersenden. Die so erlangten Bücherschätze wurden nun

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*) B. I. 1 auf Seite 18 des neuen Kataloges. **) Die Schenkungsurkunde ist abgedruckt auf Seite 4 des neuen Ka

taloges.

zusammen mit den Beständen der Stadtbibliothek in einem Zimmer der zweiten Etage des Rathhauses aufgestellt. Eine förmliche Katalogisirung fand damals nicht statt, die Verwaltung wurde einem Subalternbeamten des Magistrats übertragen. Systemaiische Ordnung kam erst 1864 in die Bibliothek. Der jetzige Direktor des Progymnasiums zu Geestemünde, Professor Dr. Holstein, damals Lehrer am Domgymnasium, unterzog sich der Mühe, die gesammte Büchermenge in sachlich geordnete Kategorien einzutheilen u. auf Grund dieser Ordnung einen vollständigen u. übersichtlichen Katalog auszuarbeiten, der im genannten Jahre durch den Druck veröffentlicht wurde*). Holstein hat wohl auch die Absicht gehabt, weiterhin bei der Verwaltung der Bibliothek sich zu betheiligen, indessen seine noch im Jahre 1864 erfolgte Versetzung von Naumburg hinderte die Ausführung dieses Planes. Es blieb daher hinsichtlich der Geschäftsführung beim Alten u. auch für eine Vergrösserung der Bibliothek wurde im städtischen Haushalt nichts ausgeworfen, so dass der geringe Zuwachs fast nur durch gelegentliche Schenkungen erfolgte. Die Benutzung der Bücher beschränkte sich, weil die Existenz der Bibliothek zu wenig bekannt war, auf eine recht bescheidene Anzahl von Fällen, in den letzten Jahren aber war eine solche wegen örtlicher Beengtheit überhaupt nur mit grossen Schwierigkeiten möglich. Als nämlich unter dem Drange der Nothwendigkeit einige Volksschulklassen in der zweiten Etage des Rathhauses Lehrzimmer zugewiesen erbielten, musste die Bibliothek ihren Saal räumen u. sich mit einem entsetzlich schmalen Stübchen begnügen, worin nach Aufstellung der Bücher sich kaum noch zwei Menschen bewegen u. die Schränke zum Theil gar nicht geöffnet werden konnten. Die Vollendung des neuen Schulhauses in der Schulstrasse schaffte wieder Luft, gleichzeitig aber traten noch andere Umwälzungen im Rathhause ein, da dessen nördlicher Flügel, das sogenannte „Neuhaus“, zur Aufnahme des Landgerichts ausgebaut werden musste. Hierbei schien es denn vortheilhafter, die ganze Bibliothek eine Treppe herabzuschaffen u. in einem neu ausgebauten geräumigen Zimmer des „Neuhauses“ unterzubringen, zumal durch eine neue Schenkung dem Bücherschatze ein erheblicher Zuwachs entstanden war. Der am 8. Mai 1879 zu Kösen verstorbene Geh. Regierungsrath a. D. Karl Martin Gustav Lepsius, ein Sohn von Karl Peter Lepsius, hatte nämlich durch testamentarische Bestimmung die Stadt Naumburg zur Erbin seiner ganzen Büchersammlung u. einiger anderen Gegenstände eingesetzt unter der Bedingung, dass die Bücher mit der Bibliotheca Lepsiana

*) Catalog der Stadt-Bibliothek zu Naumburg a/S. 1864. Mit Einschluss der Bibliotheca Lepsiana. Naumburg. Druck von H. Sieling. 1 Blatt, II u. 28 Seiten in gr. 80. 50 ot.

vereinigt u. ein Katalog davon gedruckt werde, der dann an gebildete Einwohner der Stadt vertheilt u. handschriftlich fortgesetzt werden solle. Ausserdem aber – u. das ist für die fernere Entwickelung der Stadtbibliothek von der grössten Bedeutung — hinterliess derselbe Erblasser der Stadt Naumburg ein Kapital von 5000 M zur Bildung eines Bibliothek sfonds, vorausgesetzt, dass auch die Stadt einen den Zinsen dieser Summe gleichkommenden Betrag zur Verwendung für die Bibliothek auf ihren Etat bringen würde, sofern nicht etwa ein Dritter durch entsprechende Kapitalzuwendung sie von dieser Verpflichtung befreite*). Die städtischen Behörden erklärten sich zur Annahme dieser Vermächtnisse unter den daran geknüpften Bedingungen bereit u. erhielten durch Erlass vom 1. September 1879 die Allerhöchste Genehmigung, zur Annahme der Zuwendungen. Der hierdurch entstandene Zuwachs beträgt etwa 1400 Bde aus den Gebieten der altklassischen u. modernen Litteratur, der Geschichte, Theologie, Philosophie, Rechtswissenschaft u. der Kunstgeschichte. Der Gymnasiallehrer Dr. O. Schulze hat sich das Verdienst erworben, die also vergrösserte Bibliothek zu ordnen, in dem oben erwähnten ausgebauten Zimmer des Rathhauses aufzustellen u. einen neuen Katalog anzufertigen. Letzterer ist zufolge der Bestimmung des Erblassers bereits gedruckt **) u. in der Stadt vertheilt worden. Es scheint, dass bei dem Umräumen einzelne Sachen verschleppt worden sind, wenigstens vermisse ich in dem neuen Katalog mehre Schriften, deren Vorhandensein mir dadurch bekannt ist, dass ich selbst sie der Stadtbibliothek im Laufe der letzten Jahre als Geschenk überwiesen habe. Inzwischen hat der Druck des Kataloges einen abermaligen dankenswerthen Zuwachs der Stadtbibliothek im Gefolge gehabt. Der berühmte Aegypotolog Geh. Regierungsrath Prof. Dr. Lepsius in Berlin, dessen bereits weiter oben bei Stiftung der Bibliotheca Lepsiana Erwähnung geschehen ist, hat sich durch das Erscheinen des neuen Kataloges veranlasst gefunden, ausser dem grossen Denkmälerwerk über Aegypten, auch noch seine sämmtlichen übrigen Veröffentlichungen, grosse wie kleine, Artikel aus Zeitschriften, Monographien, Bücher u. S. w. – hauptsächlich Aegyptologischen Inhaltes — der Stadtbibliothek schenkungsweise darzubringen. ,

Mit Einschluss dieser neuesten Erwerbungen mag sich der Bücherbestand auf etwa 2200 Bde beziffern, ungerechnet die zahlreichen eigentlichen Archivalien wie Urkunden u. dgl. Davon entfallen ungefähr 550-600 Bde auf Naumburg-Zeitzische Lokal- u. | Thüringisch-Sächsische Provinzialgeschichte (hierin viele Handschrif

*) Siehe Seite 5 des neuen Kataloges. **) Katalog der Stadt-Bibliothek zu Naumburg a/S. 1880. Mit Einschluss der Bibliotheca Lepsiana. Naumburg. Druck von H. Sieling. 50 Seiten in gr. 8o.

ten), 60 auf Aegyptologie, 150 auf die Ersch-Grubersche Encyklopädie, der Rest auf die oben bei der K. M. G. Lepsius'schen Stiftung benannten Litteraturgebiete. Am vollständigsten ist die Sammlung hinsichtlich der Lokal- u. Provinzialgeschichte u. es wird daher naturgemäss Aufgabe der Verwaltung sein müssen, diesen Stamm u. Grundstock der Bibliothek durch Beschaffung der noch fehlenden älteren Sachen zu ergänzen u. durch Ankauf der neu erscheinenden Werke dieser Richtung immer auf dem Stande der neuesten Forschungen zu erhalten. Die übrigen in der Bibliothek vertretenen Wissensgebiete können, wie zu erwarten, auf eine auch nur relative Vollständigkeit ihrer Litteratur nicht Anspruch erheben, sie enthalten so ungefähr die Bücher, welche ein Gebildeter, ohre gerade Fachmann zu sein, sich zur Informirung in den betreffenden Gebieten verschaffen würde freilich ein recht durchgreifendes Prinzip wird vermisst, auf der einen Seite möchte man mehr wünschen, während auf der anderen schon zu viel vorhanden ist. Die Theologica können am wenigsten befriedigen, denn sie gehören der Mehrzahl nach der verflachten u. negativen protestanten-vereinlichen Richtung an, gehen sogar noch darüber hinaus in das Gebiet der völligen Zersetzung, wie die Namen Büchner, Renan, Strauss zur Genüge beweisen. Für die Weiterentwickelung der Bibliothek giebt ein Passus der K. M. G. Lepsius'schen Stiftung einen Wink; es heisst da*): „Die Auswahl der anzuschaffenden Bücher soll sich vorzugsweise auf grössere Werke von unzweifelhaft wissenschaftlichem Werthe und muthmasslich dauernder Bedeutung richten.“ Hält man diese Worte mit dem vom Testator hinterlassenen Bücherschatze zusammen, so kann kein Zweifel obwalten, dass ihm nicht die Bildung einer reinen Fachbibliothek des einen oder anderen Wissensgebietes vorgeschwebt hat, sondern die Anschaffung der in den Hauptgebieten - vornehmlich Geschichte, Kultur, Litteratur — erscheinenden wichtigeren Werke, welche auch von dem Nichtfachmann, dem gebildeten Laien mit Interesse u. Nutzen für seine Bildung gelesen u. studirt werden können. Diesen Punkt bei Ankäufen nicht aus dem Gesicht zu verlieren, erscheint auch deshalb angezeigt, weil in Naumburg mehre recht ansehnliche Spezialbibliotheken vorhanden sind, in welchen den Bedürfnissen des Fachmanns Rechnung getragen ist.

Zur Benutzung der Bibliothek**) sind die Bürger der Stadt eo ipso, die Schüler der beiden Oberklassen des Domgymnasiums 11. der Realschule gegen Cavet ihres Ordinarius berechtigt. Ueber etwaige Ausleihungen nach auswärts findet sich keine Bestimmung

. *) Siehe Seite 5 des neuen Kataloges.

**) Die hierfür aufgesetzten Bestimmungen finden sich auf Seite 3 des neuen Kataloges abgedruckt.

and sonach ist wohl anzunehmen, dass die bei den Bibliotheken der ganzen civilisirten Welt allgemein geübte Gepflogenheit: „Bibliothek leiht an Bibliothek ohne Umstände auch hier zur Anwendung gelangt. Bis auf weiteres ist die Bibliothek jeden Dienstag von 4-5 Uhr Nachmittags für Besucher u. Entleiher geöffnet. Die Obliegenheiten eines Bibliothekars besorgt der schon genannte Dr. 0. Schulze.

War bei der Stadtbibliothek der Ursprung in Dunkel gehüllt, dagegen die weitere Geschichte wenigstens in einzelnen Perioden bekannt, so findet das Gegentheil statt bei der jetzt zu nennenden Bibliothek der Wenzelskirche, von der ausser den Stiftungsnachrichten kaum etwas gemeldet wird. Der Chronist Magister Johann Bürger, welcher 1617 als Archidiakonus der Wenzelskirche starb, berichtet über die Entstehung der Bibliothek Folgendes*): „Anno 1611 ist die Neüe Bibliotheca in der Wenzels Kirchen angefangen worden; darzu Herr Wolffgang Kretzschmar, ein Ratherr vnd Gastgeber domals zum dreyen Schwanen alhier 100 f. (Gulden) vnd Herr Velden Hase, ein Handelsmann 50 fl. verehret haben. Etliche Handwerke, sonderlich die Fleischer und Färber haben besondere opera .der patrum**) vnd andere autores darzu gekaufft vnd verehret. Auch ist darzu Herrn D. Balthasari Müllers S. gewesenen Superattendentis zu Altenburgk Liberey***) um 300 fl. gekaufft worden.“ Diese Notiz ist kulturhistorisch recht wichtig, sie zeigt uns, welch grosses Interesse damals in Naumburg selbst die Handwerker für die Wissenschaften hegten und wie sie dieses Interesse durch ansehnliche Geldspenden bethätigten, die erst dann in ihrer vollen Bedeutung erscheinen, wenn man bedenkt, dass das Geld in jener Zeit etwa den doppelten bis dreifachen Werth von jetzt besass. Wollte heutzutage Jemand die genannten Berufskreise um Beistenern zu einer öffentlichen Bibliothek angehen, wie gering würde der Erfolg sein, wenn es überhaupt zu einem Erfolg käme!

Die Einrichtung der Bibliothek wurde von dem damaligen Konrektor Steiner besorgt. Weiter ist noch bekannt, dass des Annalisten Bürgers Nachfolger im Archidiakonate der Magister August Lippach bei seinem Tode im Jahre 1663 seine Bücher der Wenzelsbibliothek hinterliess. Sonst fehlen alle Nachrichen über die fernere Entwickelung dieser Bibliothek, welche ihren Platz ebenda hat, wo sie ursprünglich angelegt war, nämlich in einem Zimmer der Wenzelskirche neben dem sogenannten „Bildersaale“. Sie ist dort in mehren Schränken aufgestellt, aber ihr Zustand ist ein derartig

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in Arcb 1663. Nachrio Platz. Limmer dort

le im Jahre idiakonate der Mass des Anna

*) Auf Seite 24 seiner Annales Numburgenses, deren Original in der Stadtbibliothek aufbewahrt wird. (Nr: 108 auf Seite 21 des neuen Kan taloges.)

**) Kirchen väter. . ***) Bibliothek

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