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Organ für deutsche Philologie

herausgegeben

von

Rudolf Henning und Julius Hoffory.

I.

M. Hirschfeld: Untersuchungen zur Lokasenna.

Berlin.

Mayer & Müller.

1889.

UNTERSUCHUNGEN

zur

LOKASENNA

von

Max Hirschfeld.

Berlin.
Mayer & Müller.

1889.

we

Die Lokasenna nimmt inter den Götterliedern der Edda eine ganz besondere Stellung ein. Weit schärfer als die Hárbarpsljóp und die sog. 'Opinisbeispiele tritt sie dem nordischen Götterstaat gegenüber. Sie arbeitet an dem Umsturze der bestehenden Religion und hat ihn vielleicht beschleunigt. Und nicht nur in religiös - politischem Sinne ist das Lied von Wichtigkeit. Es ist für die nordische Mythologie und deren Geschichte eine reiche, bisweilen die einzige Quelle, der wir sicher vertrauen dürfen. Denn hier tritt der,Vater der Lüge nicht auf, um den Göttern Verläumdungen ins Gesicht zu schleudern, sondern um ihnen gründlich die Wahrheit zu sagen. Endlich ist die Lokasenna für die Poetik interessant, da sie unter den dramatisch angelegten Eddadichtungen am ausgebildetsten ist und den Uebergang vom Epos zur dramatischen Dichtung in einer für sich abgeschlossenen Poesiewelt veranschaulicht.

Es spricht für die Bedeutung der Lokasenna, dass sie unter den wichtigeren Götterliedern im Codex regius erhalten ist. Ihre Stellung hinter der Hymiskvipa ist von dem Sammler aus rein äusserlichen Gründen angeordnet. Der Braukessel des Hymir ist das Bindeglied. Ebenso ist die prymskvipa wohl nur hinzugefügt, weil in diesem Liede Loki und pórr, wie in der Lokasenna, die Hauptrollen spielen. Vielleicht war auch der Humor in allen drei Liedern das bindende Element, das ja in der Lokas. am allerwenigsten fehlt. Den nachfolgenden Uutersuchungen liegt der Text der Bugge'schen Edda zu Grunde, welcher mit dem Text der späteren Ausgaben im Wesentlichen übereinstimmt.

I. Inhaltsangabe.

Prosaische Einleitung. Ægir (Gymir) bereitet den Asen ein Gastmahl. Als Gäste erscheinen: 'Opinn und Frigg,

Unt. z. Lokasenna.

1

Sif, Bragi und Ipunn, der einhändige Týr, Njorpr und Skapi, Freyr und Freyja, Viparr, endlich Loki. Ferner ist das sonst unbekannte Dienerpaar des Freyr, Byggvir und Beyla, anwesend, sowie eine Menge von Asen und Alfen. þórr war nicht zugegen, er befand sich auf der Ostfahrt.

Ægirs Diener, waren Fimafengr und Eldir. Strahlendes Gold diente zur Beleuchtung; das Bier trug sich von selbst auf; es war eine grosse Friedensstätte. Die Bedienung wurde sehr gelobt. Das mochte Loki nicht hören, er erschlug den Fimafengr. Da vertrieben die Asen den Loki, setzten dann aber ihr Trinkgelage fort. Loki kehrte zurück und suchte von Eldir den Einlass zu ertrotzen.

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V. 1-5. Bevor Loki den Saal betritt, will er die Stimmung der Asen gegen ihn erforschen. Er verlegt dem Diener Eldir am Eingange den Weg und fragt ihn, wovon sich die Götter unterhalten. Eldir, Lokis Ungestüm mit Recht fürchtend, antwortet nicht so herbe, als er wohl möchte, entgegnet aber mit deutlichem Unwillen: Die Asen reden von Waffen und Kämpfen, auf dich ist Niemand unter den Asen und Alfen gut zu sprechen. Diese Erwiderung reizt den Trotz Lokis, er will nun gerade hineingehen und fügt höhnisch hinzu, er werde den Asen die Freude am Gelage verderben. Was kann Eldir Besseres zur Abwehr vorbringen, als die zu erwartende Rache der Götter! Loki verschmäht es, mit dem Diener weiter zu streiten und wendet sich, ohne ihn weiter zu beachten, dem Gelage zu.

Saal.

Prosaischer Zwischensatz. Dann ging Loki in den
Als ihn die Asen erblickten, schwiegen sie alle.

V. 6-10. Beim Eintritt ist Lokis Absicht, seinen Zorn an den Göttern auszulassen, nicht bemerkbar. Die Worte, mit denen er das im Saal herrschende Schweigen bricht, sind geziemend und bescheiden. Nicht als uneingeladener Gast, sondern als durstiger Wanderer führt er sich ein, der, nur um einen Labetrunk bittend, die jedem Fremdling gern gewährte Gastfreundschaft in Anspruch nimmt. Erst das

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