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eine sehr mächtige und angesehene Familie, stimmten dafür, daß man ihn tödte. Da sagte einer von der Versammlung, Namens Mosca Lamberti, dem die Berathschlagung zu lange dauerte: That hat Rath (capo ha cosa fatta) (Hölle 28, 107). Und sie gingen hin und tödteten den Buondelmonte, als dieser sich am Ostermorgen auf der Straße blicken ließ, bei dem Standbilde des Mars, des alten Beschüßers von Florenz. Die_angesehenen Familien nahmen nun Partei für den Mörder oder für den Gemordeten: an der Spige der erssten standen die Amidei, an der Spiße der andern die Donati; die erstere war für den Kaiser, die lehtere für den Papst. Dies ist der Ursprung der Ghibellinen und Guelfen zu Florenz. Bald kam es zu neuen blutigen Auftritten, und im Jahre 1248 mußten die Guelfen zum ersten Mal, und zwar nach öffentlichem Urtheile, die Stadt verlassen. Die Ghibellinen herrschten nun, so lange der mächtige hohenstaufische Kaiser Friedrich der Zweite lebte, der von seinem Vater, Heinrich dem Sechsten, oder vielmehr von seiner Mutter, Constantia, Neapel und Sicilien geerbt hatte und, zumal da er sich viel in Italien, besonders in seinen Erbländern aufhielt, eine große Stüße seiner Partei war. Aber er starb schon am 13. December 1250. Die Guelfen, welche kurz vorher zurückgerufen waren, wurden nun wieder die herrschende Partei; die aristokratische Verfassung der Stadt ging in eine demokratische über. Dem Podesta, dem obersten Beamten der Stadt, der dem Justiz- und Polizeiwesen vorstand und damals den Titel eines Capitano del popolo oder Volksobersten erhielt, ward eine Signoria, ein Rath von 12 Personen, zugesellt, dessen Mitglieder alle zwei Monate wechselten. In diesem Zustande blieb Florenz zehn Jahre, und man kann diese Zeit die heroische, die gute Zeit der Florentiner nennen. Denn auch der sitt= liche Zustand der Einwohner war damals sehr lobenswerth. Der Geschichtschreiber Villani schildert ihn im sechsten

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Buche seiner florentinischen Geschichte folgendermaßen: ,,Um diese Zeit lebten die Florentiner mäßig; ihr Mundvorrath war gemeinschaftlich, ihre Ausgaben geringe; mehre von ihren Gewohnheiten möchten uns ungeschlacht und roh scheinen; Männer und Frauen waren nur mit groben Stoffen bekleidet, mehre trugen sogar Häute ohne Unterfutter statt Kleider, Müßen auf den Köpfen und lederne Schuhe an den Füßen; die vornehmsten Damen dünkten sich gepugt mit einem Kleide von grobem Scharlachtuche, das ein altväterischer lederner Gürtel mit einer Schnalle zusammenhielt, und mit einem Pelzmantel, dessen Kappe den Kopf bedeckte, während die gemeinen Frauen Kleider von demselben Schnitte trugen, aber aus grobem, grünem Kammertuche; die gewöhnliche Ausstattung der Bräute bestand in hundert, höchstens zweibis dreihundert Gulden; die meisten Mädchen heiratheten erst nach dem zwanzigsten Jahre. Bei diesen einfachen Sitten und Gewohnheiten hatten die Florenzer ein redliches Gemüth; sie waren im Privatleben einer dem andern treu und zeigten dieselbe Treue bei öffentlichen Angelegenheiten. Ungeachtet ihrer bäuerischen Lebensart und Armuth zeichneten sie sich durch tugendhafte Handlungen aus und trugen mehr zur Ehre ihrer Familien und ihres Vaterlandes bei als wir jegt bei unserer Verfeinerung und Weichlichkeit." So weit Villani, der nur etwa 50 Jahre nach jener Zeit lebte, und eine ähnliche Schilderung entwirft Dante hiervon im 15. Gesange des Paradieses von Vers 79 an.

Aber kaum hatten die Florentiner die demokratische Verfassung bei sich gegründet, so suchten sie auch ganz Toscana demokratisch und Guelfisch zu machen. Und es gelang ihnen dies in gewissem Grade. Sie führten mehre glückliche Kriege mit benachbarten Städten, und das Jahr 1254 war besonders ein Jahr des Sieges.

Im Jahre 1260 änderte sich der Zustand der Dinge in Florenz. Kaiser Friedrich der Zweite hatte zwei recht

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mäßige Söhne, Konrad, der schon bei Lebzeiten des Vaters zum Könige von Deutschland gekrönt war, und Heinrich, der seinem Bruder, falls er ohne Erben stürbe, in der Regierung folgen sollte, aber 1253 zu Melfi starb, und drei uneheliche, von denen Manfred, Prinz von Tarent, dessen Mutter eine Marquise Lancia war, die großen Eigenschaften seines Vater vorzüglich geerbt hatte. Konrad sezte sich zwar in Besis der italienischen Länder seines Vaters, starb aber schon nach vier Jahren, 1254, und hinterließ ein unmündiges Kind, Konradin, als seinen Erben. Aus diesem Ereignisse suchte Papst Innocenz der Vierte Vortheil zu ziehen und Unteritalien, welches er früher dem Bruder des französischen Königs Ludwig des Heiligen, dem Grafen Karl von Anjou, hatte zuwenden wollen, dem päpstlichen Stuhle zu unterwerfen. Aber Manfred machte sich zum Könige von Neapel und Sicilien trog der Anstrengungen des Papstes und wurde eine neue Stüße für die italienischen Ghibellinen. Die florentini schen Ghibellinen, welche 1258 wegen eines fehlgeschlagenen Versuches, sich die vorige Macht wieder zu verschaffen, aus der Stadt verbannt waren, baten ihn um Hülfe. Er gewährte sie, zuerst geringe, nachher etwas bedeutendere. Farinata, der Anführer der Verbannten, wußte darauf die Florentiner durch List zu einer Schlacht hervorzulocken, welche Dienstags am vierten September 1260 vorfiel, am Fluß Arbia bei Montaperti, nach welchen beiden Namen sie genannt wird, siehe den zehnten, sechszehnten und zweiunddreißigsten Gesang der Hölle. Die Florentiner wurden besonders durch die Verrätherei des Bocca Abbati, der während des Gefechts zu den Feinden überging (Hölle 32, 106), von den Verbannten völlig in die Flucht geschlagen und zum großen Theil getödtet. Die Ghibellinen zogen ein und herrschten von nun an wieder in Toscana. Aber das Volk war Guelfisch gesinnt; daher hielten die Ghibellinen es für das rathsamste, die Stadt zu zerstören. Florenz war am

Rande des Untergangs. Da erhob sich Farinata von Uberti und nahm in einer kraftvollen Rede das Wort für die Erhaltung seiner Vaterstadt. Sie ist uns von einem Geschichtschreiber, Leonardo Aretino, aufbehalten, und der Schluß derselben lautet so: Wisset ihr nicht, daß, wenn ich die Waffen geführt, wenn ich meine Feinde verfolgt habe, ich dennoch nie aufhörte mein Vaterland zu lieben? Nein, nimmer werde ich zugeben, daß Das, was unsere Feinde unangetastet ließen, von unsern Händen zerstört werde, und daß künftige Jahrhunderte unsern Feinden den Namen der Retter, uns den Namen der Zerstörer des Vaterlandes geben. Wisset! Ich, auch von Allen verlassen und überstimmt, ich, der Eine, werde es nie zugeben, daß meine Vaterstadt zerstört werde; und wenn ich tausendmal für sie sterben darf, bin ich bereit, tausendmal für sie zu sterben." Die Rede machte solchen Eindruck, daß Niemand sich zu widersehen wagte. Diese Großthat des Farinata hebt denn auch Dante hervor, Hölle 10, 91-93. Diese, wie mehre andere Züge der florentinischen Geschichte und auf Dante's Leben und göttliche Komödie Bezügliches ist dargestellt in den,,Terzinen" (Breslau 1842).

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Die Obermacht der Ghibellinischen Partei in Italien, und besonders in Florenz, dauerte nicht lange. Die Regierung des Papstes Alexander des Vierten war ihnen günstig; aber dieser starb den 25. Mai 1261, und sein Nachfolger Urban der Vierte, ein geborener Franzose, gab den italienischen Angelegenheiten bald eine neue Wendung. Er haßte den König Manfred und nahm den Plan seines Vorgängers Innocentius des Vierten wieder auf, die Krone von Neapel an den Bruder Ludwig's des Heiligen, den Grafen Karl von Anjou, zu bringen. Dieser Graf war nach den Königen von Europa damals einer der reichsten, mächtigsten und ehrgeizigsten Fürsten. Seine Gemahlin Beatrix, eine Tochter des Grafen von Provence, Raimund Berlinghier (Paradies 6, 33), über

traf ihn vielleicht noch an Ehrgeiz; sie strebte nach der Königswürde um so mehr, weil ihre drei Schwestern an Könige, die eine an Ludwig den Heiligen von Frankreich, die andere an Heinrich von England, und die dritte an den deutschen König Richard von Cornwallis, verheirathet waren. So ging denn Karl von Anjou auf Antrieb des Papstes Urban im Jahre 1264, 46 Jahre alt, nach Italien, und das Glück begleitete ihn. Er ward das Jahr darauf, in welchem der ihm gleichfalls gewogene Papst Clemens der Vierte den päpstlichen Stuhl bestieg, in Rom mit großer Freude aufgenommen. Manfred wagte eine Schlacht bei Benevent in der Ebene Grandella am Flusse Calore, ward in die Flucht geschlagen und in der Schlacht getödtet. Erst am dritten Tage nach der Schlacht ward sein Leichnam gefunden. Als Excommunicirter durfte er nicht in geweihter Erde begraben werden; man verscharrte ihn deshalb am Fuße der Brücke von Benevent, und jeder Soldat warf einen Stein auf das Grab. Aber dies schien dem Papste noch zu ehrenvoll, weil Benevent zum Kirchenstaate gehörte. Der Erzbischof von Cosenza ließ den Leichnam wieder ausgraben und an die Grenze des Reichs auf die Ufer des Flusses Verde werfen. So starb dieser Held, so wurde er noch nach seinem Tode geschmäht. Nur in seiner Tochter Constanza, nach ihrer Altermutter, der Gemahlin Heinrich's des Sechsten, so genannt, lebte er fort. Denn diese ward als Gemahlin des Königs Peter von Aragonien Mutter des Alfons und Jakob, Könige von Aragonien, und Königs Friedrich von Sicilien. Siehe Fegefeuer 3, 112.

Manfred war die Stüße der Ghibellinen in Italien gewesen. Die Guelfisch gesinnten Florentiner riefen Karl von Anjou um Beistand an. Er schickte ihnen auch Ostern 1267 unter Anführung des Grafen Guido von Montfort 800 französische Reiter. Die Ghibellinen verließen nun von selbst die Stadt und flohen nach Pisa

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