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beraumt wurde. Es erschien eine von der 24. Artilleriebrigade gestellte Batterie von 8 Geschützen, bei der aber nur die Fahrer wirkliche Artilleristen waren, während die Bedienungsmannschaften in doppelter Zahl, die Geschütz- und Zugführer nur aus Junkern bestanden. Die Halbbatterien und das Ganze wurde von Offizieren i'ommandirt, und erntete die improvisirte Batterie in jeder Hinsicht das gröszte Lob.

An demselben Tage fand auf dem Marsfelde das für sämmtliche Cavallerie-Regimenter und die reitende Artillerie obligatorische zwei Werst-Rennen mit Hindernissen statt, zu dem von der Kaiserlichen Gestütsverwaltung die Preise, für jede Brigade zwei: je 350 und 235 Rubel, gegeben werden, und bei dem die Offiziere (einsehh'eszlich der Stabsoffiziere) nur ihre Dienstpferde reiten dürfen. Das schnellste Pferd brauchte zur Zurücklegung der Distauce von 2 Werst (Viertehneile) 3 Minuten 23 Secunden.

Ebenfalls am 31. Juli wurde in Gegenwart des GroszfürstenThronfolgers ein Prüfungsschieszen abgehalten, wobei sowohl Infanterie als Cavallerie in voller .Stärke ausrückte, aber nur einzelne Abtheilungen zum wirklichen Schieszen bestimmt wurden. Die beiden Garde-Infanterieregimenter schossen auf 800 Schritt mit Einzelnfeuer und gaben dann auf 200 Schritt 5 Secunden lang Schnellfeuer ab. Die übrige Infanterie und die Cavallerie gab Einzelnfeuer auf 300 Schritt. Die ganze Prüfung wurde genau nach der neuen Schieszinstruction ausgeführt, und zwar in einer Weise, die jede Unordnung und jedes Versehen ansschlieszt, aber auch desto längere Zeit erfordert. Beim Schnellfeuer mussten die liegenden Schützen, ohne vorher zielen zu dürfen, das betreffende Signal abwarten, Zwischen diesem und dem 5 Secunden darauf folgenden zweiten Signal musste der Schuss gefallen sein, worauf in gleicher Weise noch eine Patrone verschossen wurde. Das Resultat war mehr als „sehr gut".

Was die mit dem neuen Schützenreglement Hand in Hand gehende neue Schieszinstruction im Allgemeinen anbetrifft, so wird sie fast durchweg als sehr zweckmäszig anerkannt. Da aber die bestimmungsmäszigen Vorübungen, bei denen die meisten Leute 48 Patronen zu verschieszen haben, sehr ausgedehnt sind, so bleibt für das eigentliche praktische Schieszen, bei dem 8 Bedingungen zu erfüllen sind, wenig Zeit übrig, während der auch noch die anderweitigen Exercitien vorzunehmen sind. Da überdies die Schieszinstruction, ebenso wie das Reglement für das Tiraillenrgefecht, in diesem Jahre erst kurz vor Beginn der Lagerübungen, bei einzelnen Bezirken sogar erst nach deren Beginn, erschien, ferner viele Truppentheile keine geeignete Schieszstände in der Nähe ihrer Garnisonen haben, so konnte sowohl das Uebungsschieszen, wie das Bediugungsschieszen meistens erst während der Sommerlager abgehalten werden. Die Anspannung war somit eine doppelt grosze, namentlich in Finnland, wo die ganze Lagerperiode des Klimas wegen nur 2 Monate dauert. Künftig werden daher, wo es irgend angeht, die Vorübungen schon bei Gelegenheit der Bataillons- und Regiments-Concentrationen vorgenommen werden, was bei der Garde schon früher geschah.

(Schluss folst.)

VI.

Die Dänische Armee und Marine nach dem neuesten Reorganisations-Entwurfe, nebst einem Rückblicke auf deren bisherige Entwicklung.

Von

A. Freiherrn v. Fircks.

I.

Das Dänische Ministerium hat im Herbste 1879 dem Folkething Gesetzentwürfe über die Reorganisation der Land-Armee und der Marine, sowie über den Neubau bezw. die Verstärkung von Festungen, vorgelegt. Die parlamentarischen Verhandlungen über diese Vorlagen sind zwar noch nicht zum Abschlusse gelaugt, lieszen jedoch bereits die Bereitwilligkeit des Folkething erkennen, alle für die Sicherheit des Staates erforderlichen militairischen Ausgaben zu bewilligen. Diese Verhandlungen haben gleichzeitig sowohl den Vertretern der Staatsregierung wie den politischen Parteiführern Gelegenheit geboten, die Vorlage bezw. die günstige Aufnahme der betreffenden Gesetzentwürfe jedes kriegerischen Beigeschmackes, insbesondere jeder unfreundlichen Tendenz gegen das Deutsche Reich in bündigster Weise zu entkleiden. Die alten Streitpunkte zwischen Deutschland und Dänemark sind durch den Gang der Ereignisse beseitigt, und sicherlich entspricht es dem Deutschen Interesse, die Freiheit der nach der Ostsee führenden Seepässe durch möglichste Kräftigung des Dänischen Inselstaates auch für die Zukunft sichergestellt zu wisseu. Die Nordischen Völker Germanischen Stammes sind Deutschlands natürliche Verbündete, und jede Maszregel, welche auf gröszere Sicherung derselben gegen fremde Vergewaltigung abzielt, erleichtert eine etwa erforderlich werdende politische oder direct militairische Unterstützung und entspricht deshalb auch dem Deutschen Interesse.

Da die von der Dänischen Regierung dem Folkething vorgelegten Gesetzentwürfe keineswegs übertriebene Anforderungen an die Steuerkraft des Landes stellen und sachlich wohl begründet sind, so wird deren Annahme wahrscheinlich ohne erhebliche Abänderungen stattfinden. Es dürfte daher schon jetzt von Interesse sein, den Inhalt dieser Gesetzentwürfe etwas näher kennen zu lernen.

Nach dem Entwurfe für die Reorganisation der Land-Armee soll diese in Zukunft aus der Linien-Armee, der Reserve und Landwehr bestehen und letztere in zwei Aufgebote zerfallen. Im Allgemeinen ist nur die Linien-Armee für Feldoperationen, die Reserve und die Landwehr ersten Aufgebotes dagegen zu Besatzungszwecken, die Landwehr zweiten Aufgebotes aber zur örtlichen Landesvertheidigung, insbesondere für den Sicherheitsdienst und die Verteidigung der Küsten bestimmt. Schon diese Bestimmung, welcher die Zusammensetzung der Linien-Armee, sowie der Reserve und Landwehr nach Waffengattungen durchaus entspricht, kennzeichnet den ganzen Gesetzentwurf als einen lediglich auf die Vertheidigung des eigeneu Staatsgebietes berechneten: denn die gesammte LinienArmee erreicht ungefähr die Stärke eines Deutschen Armee-Corps, auch besteht die Reserve nur aus Infanterie und Artillerie.

Die Dänische Armee wird wie bisher durch allgemeine Wehrpflicht ergänzt. Stellvertretung ist nicht gestattet, alle diensttauglichen Mannschaften werden ausgebildet und für den Dienst als Trainsoldaten, Pferdepfleger, Krankenwärter, Arbeiter im Bereiche der Militainenvaltung und Bureauschreiber auch diejenigen Dienstpflichtigen ausgehoben, welche zwar nicht für den Dienst mit der Watte geeignet, durch ihre sonstige Berufsthätigkeit jedoch für die vorgedachten Dienstzweige brauchbar sind. Diese bereits unter dem 16. August 1876 vom Justizministerium, welches in Dänemark die obere Leitung des gesammten Ersatzgeschäftes zu führen hat, erlassene, sehr praktische Vorschrift über die Beurtheilung der Wehrpflichtigen macht sämmtliche Kriegsdiensttauglichen verfügbar für den Dienst mit der Waffe und ermöglicht deshalb die Aufstellung einer im Verhältniss zur Bevölkerung des Dänischen Staates sehr bedeutenden Truppenstärke. Die Vorschriften dieses Reglements, sowie die Bestimmungen über die allgemeine AVehrpflicht, welche das Organisationsgesetz vom 6. Juli 1867 enthält, bleiben nach dem neuen Gesetzentwurfe für die Reorganisation der Armee unverändert in Kraft, doch soll auch der nach Deckung des Ersatzbedarfs noch vorhandene Rest au diensttauglichen Militairpflichtigen während 6 Monaten militairisch ausgebildet werden, was bisher nicht geschehen ist.

Nach dem von der Dänischen Regierung dem Folkething vorgelegten Entwurfe soll die Linien-Armee in Zukunft aus 10 Infanterie-Regimentern zu 3 Bataillonen und 1 Garde-Bataillon, 4 Cavallerie-Regimentern zu 4 Schwadronen und 1 Schwadron Stabswache, 4 Feldartillerie-Regimentern zu 3 Batterien und je 1 TrainCompagnie, 2 Festungsartillerie-Regimentern zu 4 Bataillonen, 1 GenieRegiment zu 10 Genie-Compagnien (Sapeurs, Mineurs und Pioniere), 2 Telegraphen-Compagnien, 1 Pontonier-Compagnie, 1 Eisenbahn-Compagnie und 4 Arbeiter-Compagnien bestehen.

Die Infanterie-Bataillone der Dänischen Armee formiren 4 Compagnien und sind im Kriege 857 Mann stark, die Schwadronen 120 Mann, die Feldbatterien 8 Geschütze (180 Mann und 126 Pferde), die Festungsartillerie-Bataillone 4 Compagnien (wahrscheinlich ebenfalls 180 Mann stark), die Genie-Compagnien sind nur 60—90 Mann stark. Die Offiziere sind hierbei nicht mitgezählt. Für den ArmeeTrain sind als Friedenscadres nur die 4 Train - Compagnien der Artillerie vorhanden, von denen ungefähr die Hälfte für die Aufstellung der Munitions-Colonnen Verwendung finden dürfte.

Die Dänische Linien-Armee würde demnach überhaupt 31 Bataillone Infanterie (=-- 27 000 Mann), 17 Schwadronen (= 2200 Mann), 12 Feldbatterien (96 Geschütze), 8 Bataillone Festungs-Artillerie (5800 Mann), 10 Genie-Compagnien (700 Mann), 8 technische Compagnien (500 Mann) und 4 Train-Compagnien (1500 Mann), im Ganzen mithin ungefähr 40000 Mann mit 5400 Pferden stark sein, wenn sie auf Kriegsfusz gesetzt wird. Für die Operationen im freien Felde kämen davon 27 000 Mann Infanterie, 2200 Reiter, 96 Feldgeschütze, ungefähr 600 Mann Pioniere, Pontoniere, Eisenbahn- und Telegraphen-Compagnien und 1500 Mann Train in Betracht, d. i. 33 600 Mann mit 5400 Pferden, also ein Heer in der ungefähren Stärke eines Deutschen Armee-Corps, jedoch etwas schwächer an Cavallerie als das letztere.

Die bisherige Dänische Feld - Armee war nur an Cavallerie etwas schwächer, als die Linien-Armee nach dem neuen Entwurfe sein wird, weil' die jetzt vorhandenen 5 Cavallerie-Regimenter im Frieden nur 2 Schwadronen besitzen und bei der Mobilmachung, abgesehen von einer Depotschwadron, mit nur 3 Schwadronen ausrücken. Die Zahl der Feldschwadronen erhöht sich nach dem neuen Entwurfe um 2, wogegen ein Regimentsstab eingehen würde.

Für die Besetzung der Festungen bleiben auszerdem 32 Compagnien Festungs-Artillerie und ungefähr 600 Mann Sapeurs, Mineurs und Genie-Arbeiter aus dem Stande der Linien-Armee verfügbar als Stamm für die Festungs- und Küsten-Artillerie, die technischen Vertheidigungsarbeiten und die unterseeische Vertheidigung der Einfahrten und Meerestheile in unmittelbarer Nähe der Befestigungsanlagen. (Für den sonstigen Torpedodienst besteht eine besondere Marineabtheilung.)

Die Reserve, welche grundsätzlich für den Besatzungsdienst bestimmt ist und durchweg eigene Cadres erhalten soll, wird nach dem Reorganisationsentwurfe 20 Bataillone Infanterie, 4 Feldbatterien und 4 Bataillone Festungs-Artillerie stark werden. Hiervon sind für die Hauptstadt 1 Garde-Reserve-Bataillon und 1 Reserve-Regiment zu 4 Bataillonen, sowie 2 Bataillone Festungs-Artillerie bestimmt; ferner wird in jedem der 5 Infanterie-Brigade-Bezirke der Linien-Armee 1 Reserve-Regiment zu 3 Bataillonen aufgestellt, welche in Verbindung mit den 4 Feldbatterien der Reserve und den beiden übrigen FestungsArtillerie-Bataillonen für die Vertheidigung, namentlich der Inseln, und die Besetzung der Strandbatterien verfügbar bleiben.

Die Landwehr ersten Aufgebots enthält sämmtliche militairisch ausgebildete Mannschaft, welche das 42. Lebensjahr noch nicht überschritten hat und nicht der Linien-Armee oder Reserve angehört. Die höheren Offiziere werden vom Könige ernannt, die niederen Chargen dagegen von der Mannschaft gewählt. Die Starke der Landwehr ersten Aufgebots lässt sich annähernd auf 15 Bataillone Infanterie schätzen.

An Besatzungstruppen würden demnach überhaupt (Linientruppen, Reserve und Landwehr ersten Aufgebots) 35 Bataillone Infanterie (= 30 500 Mann), 4 Feldbatterien (32 Geschütze), 12 Bataillone Festungs-Artillerie (= 8700 Mann) und 600 Mann Sapeurs, Mineurs und Pioniere, im Ganzen mithin ungefähr 40 600 Mann zur Verfügung stehen, abgesehen von den Ersatztruppen der Linien-Armee (5 Bataillone, 4 Schwadronen) und der auf der Insel Bornholm vorhandenen Miliz (1 Bataillon Infanterie, 1 Schwadron Cavallerie, 1 Feldbatterie und 1 Compagnie Festungs-Artillerie). .

Nach dem neuen Gesetzentwurfe würde die Zahl der Besatzungstruppen gegen deren bisherigen Stand beträchtlich vermehrt werden; denn es sind gegenwärtig (ohne die Miliz von Bornholm und die

Jahrbücher f. d. Deutsche Armee u. Murine. Band XXXIV. 6

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