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Rede stehenden Zeitabschnittes etwas thätiger nnd beweglicher wie vorher. Sie machte sich am Tage dem Angreifer durch Wallbüchsenund weitreichendes Gewehrfeuer oft unangenehm fühlbar, zeigte aber während der Nächte dieselbe sträfliche Passivität wie vorher. Die wegen Mangels an geschosssicheren CasQrnen durch das Bombardement herbeigeführte Obdachlosigkeit eines Theiles der Besatzung konnte nur nachtheilig auf die Unternehmungslust und die Disciplin wirken.

(Schluss folgt.)

III.

Gedanken über die permanente Zutheilnng von Infanterie zu den Cavallerie-Divisionen.

Die Kriege der Zukunft werden in ihrer Entwickelungs-Phase einen von den bisherigen Kriegen vollständig verschiedenen Charakter haben. Grosze Wolken von Cavallerie werden den Aufmarsch der beiderseitigen Heere zu decken suchen, 4—5 Tagemärsche vor den Armee-Corps auf allen Straszen entwickelt, werden sie allmählig mit einander Fühlung nehmen; es wird Anfangs zu kleineren Cavallerie-Rencontres, demnächst zu gröszeren Gefechten kommen, indem man auf beiden Seiten bestrebt sein wird, den Schleier, den der Gegner vor der eigenen Armee bildet, zu zerreiszen und gewaltsam bis zu den Teten der Infanterie-Massen vorzudringen. Erst wenn dieses einem der beiden Gegner gelungen ist, werden sich die Cavallerie-Wolken auf einem der Flügel zusammenballen und die Armee-Corps treten inr Thätigkeit. Die neuere Kriegsgeschichte bietet für diese Entwickelungs-Phase des Krieges noch keine Beispiele. Im Kriege 1866 kam die Cavallerie in dieser Weise nicht zur Verwendung und im Kriege 1870/71 nur auf einer Seite, da sich die Französische Cavallerie der Deutschen nicht gewachsen zeigte. Dasselbe war im Russisch-Türkischen Kriege der Fall, wo die Türkische Cavallerie ebenfalls nicht die richtige Verwendung fand.

Gegenwärtig ist die Frage über die Organisation und Verwendung selbstständiger Cavallerie-Divisionen in ein anderes Stadium getreten. Sämmtliche Europäischen Armeen sind mit sich über die Nothwendigkeit Und den Werth dieser Divisionen einig und die seit dem Kriege 1870—71 hierüber in den verschiedenen Staaten erlassenen Vorschriften und Instructionen gleichen sich im Wesentlichen vollständig. Ueberall finden wir dieselbe Eintheilung in Divisionen von 2—3 Brigaden unter Zuweisung einiger Batterien reitender Artillerie, überall auch dieselben Vorschriften für den Dienst und die Verwendungsart derselben. Auffallend ist es, dass hierbei von einer dauernden Zutheilung von Infanterie fast nirgends die Rede ist, wenngleich die seitens der Deutschen im Kriege 1870—71 gemachten Erfahrungen diese Maszregel nicht allein wünschenswerth, sondern nothwendig erscheinen lassen dürften. Die officielle Französische Instruction, erwähnt diesen Punkt nur beiläufig, indem sie bemerkt, dass die Zutheilung von Infanterie, wennmöglich auf Wagen, sehr erwünscht sei, doch dürfe diese der freien Beweglichkeit der Cavallerie nicht hinderlich sein. Der Feldzug 1870—71 bietet auf Deutscher Seite eine Menge von Beispielen aus der Verwendung der Cavallerie-Divisionen, in denen denselben Infanterie beigegeben werden musste. Schon in den ersten Tagen des August wurden der 6. Cavallerie-Division, speciell dem Dragoner-Regiment Nr. 13, Bayerische Jäger auf Wagen zugetheilt.*) Später, am 7. September, erhielt dieselbe Division das 4. Jäger-Bataillon auf Wagen zur Unterstützung überwiesen.**) Im zweiten Theile des Feldzuges, sowohl an der Loire wie im Norden, trat das Bedürfniss noch mehr hervor; die Infanterie war hier dringend nothwendig geworden, um die Cavallerie gegen die ihr überall entgegentretenden kleineren bewaffneten, organisirten oder nicht organisirten Trupps zu schützen. Aus dem Russisch-Türkischen Kriege ist ebenfalls das Beispiel charakteristisch, dass bei der Verteidigung des Schipka-Passes Russische Infanterie auf Kosackenpferden beritten gemacht wurde, um den an der Tete der Cavallerie abgesessenen Dragonern rasch Hülfe zu bringen.

Der verstorbene General v. Schmidt erwähnt in seinen Instructionen***) gleichfalls, wie werthvoll es sein würde, eine dauernd den Cavallerie-Divisionen zugetheilte Infanterie zu besitzen, allein diese würde in dem weiteren Verlaufe der Operationen sehr hinderlich sein, da sie „wie Bleigewicht an den Füszen" wirken würde. Wenn eine derartig als Autorität dastehende Persönlichkeit, wie der Ge

*) Generalstabswerk L Theil S. 164.
**) Generalstabswerk II. Theil S. 24.
***) Instructionen des General T. Schmidt pag. 307.

neral v. Schmidt, den groszen Nutzen der dauernd den CavallerieDivisionen zugetheilten Infanterie anerkennt, so kann uns dies nur anspornen, näher zu erörtern, ob es nicht möglich ist, das dadurch entstehende „Bleigewicht" zu beseitigen.

Bevor wir diesen Gedanken einer näheren Betrachtung unterziehen, muss zunächst noch besonders hervorgehoben werden, dass in Folge der 1870/71 gemachten Erfahrungen eine wesentliche Verbesserung der Feuerwaffen der Cavallerie herbeigeführt worden ist und in allen Europäischen Armeen auf das Fuszgefecht der Cavallerie ein gröszerer Werth gelegt wird. Es könnte fast scheinen, als ob hierdurch eine Zugabe von Infanterie ganz unnöthig würde. Spricht doch auch General v. Schmidt in seinen „Betrachtungen über die Reiterei nach den Erfahrungen des Feldzuges 1870 — 71*): „Nächstdem muss unserer Waffe eine gröszere Selbstständigkeit gegeben werden, man muss sie bei der heutigen Kriegführung, bei ihrer heutigen Verwendung vor der Armee, zur Aufklärung, Verfolgung, Beschäftigung des Feindes, zu besonderen selbstständigen Aufträgen im Rücken und in den Flanken des Feindes, auf weite Entfernungen voraus, bei den weiteren Präcisionswaffen, bei den vielfach vorkommenden Terrainverhältnissen (Perche, Bretagne, Vendee, Sologne) unabhängiger von der Infanterie stellen; es muss nur nothwendig sein, ihr reitende Artillerie beizugeben. Sie muss im Stande sein, im kupirten Terrain nicht allein vorwärts zu kommen, Terrain zu gewinnen, sondern auch dasselbe gegen feindliche Angriffe behaupten können; sie muss Ortschaften nehmen und sie vertheidigen können, sie muss sich ihre Quartiere selbst vom Feinde erobern können und darin auszudauern im Stande sein; es muss nicht stets der Ruf nach Infanterie laut werden, damit sie nur ruhig schlafen könne, sie muss sich deren entwöhnen, hülflos dazustehen, wenn ihr nicht Infanterie beigegeben ist; sie muss sich selbst völlig ausreichend, auch unter den schwierigsten Verhältnissen und in den übelsten Situationen, zu führen vermögen; die Cavallerie muss den Gedanken ganz fahren lassen, als sei ihr die Infanterie in vielen Fällen durchaus nothwendig zu ihrem Ausharren, zu ihrer Existenz; sie muss selbst sich dieses Gedankens völlig entwöhnen und sich ganz und gar auf ihre eigenen Füsze stellen, wenn sie ihre Aufgabe erfüllen will." Auch der Französische Oberst Bonie .spricht sich dahin aus, dass jede Cavallerie im Gefecht zu Fusz, im Tiraillement, gerade so gut ausgebildet sein müsse, wie die Infanterie. Es schwebt

*) Kahler, die Preuszischc Reiterei, S. 258 f.

hierbei dem Oberst Bonie speciell das Gefecht bei Forbach vor Augen, wo zwei abgesessene Schwadronen, unterstützt von etwa 100 Mann Genie-Truppen, drei Infanterie- und ein Jager-Bataillon zur Entwickelung zwangen und so lange aufhielten, dass eine Besetzung Forbachs bei der herannahenden Dunkelheit, wenigstens für den Tag nicht mehr möglich war.*)

Die Leistung dieser beiden Schwadronen verdient jedenfalls vollste Anerkennung und bietet einen Beweis, was überhaupt die Cavallerie in solchen Defensiv-Gefechten zu leisten vermag. Daraus aber folgern zu wollen, dass Cavallerie im Schieszen und Tiraillement mit der Infanterie auf gleicher Stufe stehen soll, ist doch zu viel verlangt, und schlieszt doch eine zu grosze Missachtung der Infanterie in sich. Unter allen Umständen bleibt das offensive Element der Cavallerie im Gefecht zu Fusz immer nur ein geringes. Wollen wir von der Cavallerie mehr verlangen, als dass sie im Stande ist, vorübergehend ein Defilee zu vertheidigen, ein Gefecht einzuleiten, vordringende feindliche Abtheilungen im coupirten Terrain festzuhalten, so kann diese Leistung nur auf Kosten des wahren cavalleristisehen Geistes geschehen, und dieses würde eine schwere Schädigung der ganzen Waffe sein. Während die Russische Cavallerie auf das Gefecht zu Fusz ganz besonderen Werth legt und in seinen Dragoner-Regimentern im wahren Sinne des Wortes eine reitende Infanterie haben will, ist man bei uns ganz entgegengesetzter Ansicht, und bei allen groszen Cavallerie-Uebungen vereinigter Divisionen in den letzten Jahren ist dieses deutlich zum Ausdruck gebracht.**)

Sowohl durch die Erfahrungen der letzten Kriege wie durch die Aussprüche cavalleristischer Autoritäten ist die Nützlichkeit und die Notwendigkeit dauernd den Cavallerie-DiVisionen zugetheilter Infanterie anerkannt. Die Schwierigkeit liegt nur darin, diese so zu organisiren, dass sie der unbedingt erforderlichen freien Beweglichkeit der Cavallerie nicht hinderlich ist, oder, um die Worte des General v. Schmidt zu gebrauchen, dass man „das Bleigewicht von den Füszenu entfernt. Das Anskunftsmittel, zu dem man im letzten Kriege gegen Frankreich so häufig griff, Infanterie auf requirirten Wagen zu befördern, war ein höchst unzureichendes. Die schlechte Bespannung, die zur Beförderung von Mannschaft durchaus nicht geeigneten Fahrzeuge, die daher erforderliche grosze Zahl von Wagen war in

*) S. Generalstabswerk I. Theil S. 369.
**) S. Kahler, S. 245.

jeder Weise hinderlich; und doch war es das einzige Mittel, was nur einigermaszen die Sache ermöglichte. Wie würden sich dagegen die Verhältnisse gestalten, wenn es gelänge, eine wirklich „leichte", d. h. im höchsten Grade bewegliche und leistungsfähige Infanterie zu schaffen, die diesen Unbequemlichkeiten nicht unterworfen wäre? Es kann dies nur eine schon im Frieden organisirte, fahrende Infanterie sein; ob eine Infanterie im eigentlichen Sinne des Wortes, oder Jäger-Bataillone, wie Boguslawski dringend empfiehlt,*) ist für das Wesen der Sache gleichgiltig. Es kommt nur darauf an, eine gewisse Anzahl von Bataillonen schon im Frieden für diesen Dienst zu organisiren, auszurüsten und bei den gröszeren CavallerieUebungen mit heranzuziehen. Dass derartige Bataillone in gröszeren Garnisonen mit Train-Bataillonen, welche die Bespannung für die Fahrzeuge zu stellen hätten, sowie auch der Ausbildung wegen, mit Cavallerie zusammen stehen müssten, ist selbstredend. Wir denken hierbei an die Worte des General v. Schmidt**): „Die Truppen gewöhnen sich aneinander, lernen ihre Gefechtsweise, die Art und die Ansichten ihres Führers kennen, fassen Vertrauen zu einander und zu ihm und verfahren hiernach, wodurch der Dienst stets gewinnen und gedeihen wird."

Wie viele derartige Bataillone organisirt werden müssen, hängt natürlich von der Zahl der Cavallerie-Divisionen ab, die man im Mobilmachungsfalle aufzustellen beabsichtigt. Unter allen Umständen wird ein Bataillon für jede Cavallerie-Division vollständig ausreichend sein, tritt der Fall ein, dass ein solches nicht mehr genügt, so ist eben der Moment eingetreten, wo die Thätigkeit der Avantgarde der Armee-Corps beginnt. Weniger als ein Bataillon zuzutheilen, ist aus taktischen Gründen unzureichend. Wir müssen stets annehmen, dass sich eine Cavallerie-Division auf 2—3 groszen Straszen bewegt, und dass die Teten-Schwadronen auf diesen je eine Compagnie zugetheilt erhalten, die übrig bleibenden 1—2 Compagnien werden der Reserve-Brigade zur Verfügung gestellt.

Die Frage, in welcher Weise die Fortschaffung dieser zugetheilten Infanterie geschehen soll, nach welchen Grundsätzen die Fahrzeuge zu construiren sind, ist eine rein technische und kann hier nicht näher erörtert werden, da wir nur die taktische Seite der Sache im Auge haben. Gewiss werden 6 Fahrzeuge, jedes mit

*) Boguslawski, Entwicklung der Taktik seit dem Kriege 1870/71, II. Theil S. 170.

**) Kahler S. 278.

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