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res. Das Herannahen böhmischer Kriegsschaaren, unter Thums Befehl, erschreckte die Wiener Bürgerschaft. Man befürchtete eine Belagerung. Der Kaiser sah sich doppelt gefährdet; denn es war fraglich, ob die niederösterreichischen protestantischen Stände Verabredungen getroffen mit dem vordringenden Feinde. Eine dea Thurnschen Streitkräften überlegene Waffenmacht hatte der Kaiser nicht zur Hand. Krankheiten schwächten während des letztverflossenen Winters die Kaiserlichen Truppen in Böhmen; und aufserdem hemmte Geldmangel starke Anwerbungen. Zur Verteidigung Wiens konnte Ende Mai 1619 nur über 2000 Mann verfügt werden. Dem Grafen Thur n fehlte eine Belagerungsartillerie: aber er rechnete auf Hilfsleistung aus dem Innern der Stadt.

Der Kaiser hatte an General Boucquoi nach Budweis durch Eilboten Befehl entsendet, zum Entsatz herbeizumarschieren, hatte Anordnungen getroffen für Verstärkung der Wiener Garnison durch die nächsten Besatzungstruppen, und vertraute auf Gottes Hülfe.

Vier Cornets eines Kürassierregiment?, an dessen Spitze später der zur Zeit auf dem böhmischen Kriegsschauplatz befindliche Graf Dampierre als Inhaber trat, verliefsen befohlenermafsen am 4. Juni Krems, um folgenden Tages in Wien einzurücken.

Hier waren am 4. Juni zwei niederösterreichische ständische Ausschüsse, katholischer- und protestantischerseits, in Unterhandlungen mit einander getreten. Die Parteien konnten sich nicht einigen, und trennten sich mit gesteigertem Groll. Gegen 10 Uhr Morgens am 5. Juni begaben sich die Protestanten in die Hofburg, um ihrem Landesherrn den Stand dieser Angelegenheit kundzugeben und ihm ein Schriftstück zu überreichen, als Rechtfertigung eines Bündnisses mit den böhmischen Glaubensgenossen. Die Unterredung mit dem Staatsoberhaupt liefs bald die geziemende Ehrerbietigkeit aufserAcht; namentlich „machte sich Herr Thonrade bemerklich durch herausfordernde Worte." Man stellte das Verlangen, der Kaiser solle nicht länger in Böhmen Krieg führen.

Der Kaiser stand allein der ständischen Deputation gegenüber: keiner seiner Rätgeber befand sich ihm zur Seite. Er verharrte in ruhigen Erwiderungen, konnte aber weder durch mafsvollen Tadel, noch durch bittende Mahnungen umstimmend einwirken. Da geschah es, nach Verlauf einer Stunde, dafs man im Kaiserlichen Audienzsaale die schweren Huftritte eines im Galopp herbeisprengenden Reitergeschwaders vernahm. Der alte Kaiserliche Arsenalhauptmann Gilbert de Saint-Hilaire (nicht Gilbert Santhelier, wie sein Name gewöhnlich verdeutscht angegeben wird) war mit diesen

jahrbücher f. d. Deutsche Armee u. Marine. Band XXXIV. 22

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in Wien einrückenden 400 • Kürifsreitern allsogleich zur Kaiserburg geeilt, und liefs dieselben dort (wohl unter Trompetenschall) im Schlofshofe aufmarschieren.

Von den Fenstern des Audienzsaales gewahrten die Bedränger des Kaisers, dafs sie jetzt gefährdet. Wohlmeinende Handwerker hatten die Deputation gewarnt vor dem Eintritt in die Burg, weil es wahrscheinlich, dafs dort ihre Gefangennahme erfolge. Wie nun, wenn diese Veraussagung sich verwirklichte? „Schon raunten sich Einige zn, dafs es um sie geschehen sei." Die soeben noch kecke Sprache verstummte plötzlich; die zwischen Fürst und Unterthan bräuchliche Verkehrsform kam zur Geltung. Nach einigen diesem Umstand angemessenen Redewendungen verabschiedeten sich die Deputirten.

Die Geschichtsforschung hat nicht festzustellen vermocht, in welchem Mafs dem Grafen Thurn, ein Hereinbrechen ins innere Wien in Aussicht gestellt und — durch Verräter — vorbereitet war. In der Nacht zum sechsten Juni nahm Thur n sein Hauptquartier in der Vorstadt Wieden. Die inzwischen, und besonders die am 5. Juni eingetroffene Verstärkung der Wiener Garnison verfehlte nicht, einen zurückhaltenden Eindruck zu machen auf alle Aufstandslustigen innerhalb der Wälle Wiens. Der Patriotismus der Wiener Bürger und der dortigen Studenten erwies sich werkthätig. Zuzug vom platten Lande stellte sich ein. Die gewaffheten Verteidiger des Kaisers wuchsen in Wien binnen kurzer Frist an auf 6- bis 7000 Mann. Thum, obwohl er ein Paar Tausend mehr befehligte, sah sich behindert, etwas Entscheidendes gegen Wien zu unternehmen. Er beschlofs am 9. oder 10. Juni, seinen Rückzug anzutreten. In der Nacht zum 14. marschierte er zurück über die Donan, um heimzukehren nach Böhmen. —

Homo proponit, sed Deus disponit.

Zur Ergänzung obiger Mitteilungen erübrigt, da dieselben sich auf Hauptsachen beschränken, die Beantwortung einiger Fragen. So zuvörderst: Wie wurde der Hauptmann Saint-Hilaire belohnt?*) Kaiser Ferdinand II. pflegte für ihm geleistete gute Dienste sich vollauf dankbar zu erweisen. Die Erläuterung derjenigen Auszeichnungen, welche er dem Kürassier-Regiment Dampierre, die Burg

*) Wir gewärtigen Auskunft in einem der nächsten Bände der „Allgemeinen Deutscheu Biographie". — Vollzog St.-Hillaire nur einen Kaiserlicherseits ihm gegebenen Auftrag oder handelte er aus eigener Entschliefsung?

lokalität betreffend, erteilte — liegt auf der Hand. Aufserdem kann wohl der Beweggrund für Wahl dieser Prärogativen beruhen auf einem anderen, in der österreichischen Kaiserstaatsgeschichte denkwürdigen Ereignis, falls die Annahme (unsererseits) richtig, dafs: Heinrich Duval Graf v. Dampierre, identisch mit demjenigen Dampierre, welcher eine Reiterescorte befehligte, die den Kardinal Khlesl, Hauptratgeber des Kaisers Matthias, aus Wien entführte nach dessen von den Erzherzögen Maximilian und Ferdinand eigenmächtig angeordneter Verhaftung (den 20. Juli 1618). Erstgenannter Erzherzog, ein Bruder des Kaisers Matthias, letztgenannter sein Vetter und Thronnachfolger. Heinrich Duval Graf Dampierre starb den Heldentod am 8. Oktober 1620, im Kriege gegen Fürst Bethlen Gabor, bei Recognoscierung für einen Sturm auf Schlofs Prefsburg; ein erst 40 Jahre alter Feldmarschall. Kaiser Matthias verzieh aus triftiger Ursach den beiden Erzherzögen jene Gewaltthat, und auferlegte Dampierre als gelinde Strafe das Verbot, nie wieder mit seinen Reitern durch die Burg zu ziehen.

Für Geschichtsfreunde enthält die erste (dreibändige) Abteilung der Gindelyschen Geschichte des 30jährigen Krieges einen augenfälligen Beweis, wie viel ein einzelner ernster Forscher hervorzubringen vermag, wenn er, um eifrig der Wissenschaft dienstbar zu sein, beharrlich und vielseitig archivalischen Stoff sammelt zu schwieriger und gediegener Arbeit. Solcher Leistung gegenüber erscheint gering und oberflächlich das, was in jocöser Manier Thomas Carlyle anfertigte als Geschichte Friedrichs des Grofsen.

Gr. L.

XXIV.

Erfindungen u. s. w. von militärischem
Interesse.

Zusammengestellt

von

Fr. Hentscli,

Hauptmann a. D.

Patronenbehälter von V. Sauerbrey in Basel. R.-P. Nr. 2832. Nach Ansicht des Erfinders haben die meisten bei den verschiedenen Armeeen im Gebrauche befindlichen Patronentaschen den Nachteil, dafs die Patronen nicht so in der Reichweite der Hand liegen, dafs sie sicher ergriffen und in die zum Gebrauche notwendige Lage gebracht werden können. Diesen Uebelstand sucht der Erfinder durch seine Konstruktion zu beseitigen. Seine Patrontasche enthält zwei übereinanderliegende Abteilungen, von denen die obere die zur Instandhaltung des Gewehres erforderlichen Reserve- und Reinigungsstücke enthält, sowie die in Packeten befindlichen Reserve - Patronen, während die untere Abteilung die losen Patronen aufnimmt. Die ganze Patrontasche ist aus Leder gefertigt, wird an zwei Schlaufen am Leibgurte getragen und schmiegt sich seiner gebogenen Form zu Folge an den Leib des Schützen an. Der untere Teil der Patrontasche bildet einen Kasten mit zwei über einanderliegenden Abteilungen und ist an der rechten Seite mittels einer Thür aus starkem Leder geschlossen, an welcher ein mit Knopflöchern versehener Riemen angebracht ist, der mit einem Metallknopf in Verbindung steht. Die Behälter der unteren Abteilung der Patrontasche sind von Metall und bilden eine Art Schieblade, welche von der Seite in die Tasche eingeschoben wird. Dieselben haben im Grundris die Form eines Kreisbogens. Ihre Höhe und Länge entspricht den Abmessungen und der Anzahl der Patronen, welche sie aufnehmen sollen. Die obere Fläche des Bodens jedes Behälters ist mit zwei gezahnten Stangen versehen, über welche die Zahnräder eines durch eine Feder in Bewegung gesetzten Schieberwageus laufen. Die Patronen werden in diese Behälter hinein und aus ihnen heraus durch eine auf der rechten Seite angebrachte Oeffnung geführt. Jede hineingebrachte Patrone veraulafst den Schieberwagen zum Zurückgehen, wobei sich eine den Schieberwagen in Bewegung setzende Feder spannt, indem sie sich um eine an den Zahnrädern befestigte Achse rollt. Sind die Abteilungen mit Patronen gefüllt, so wird beim Gebrauche die betreffende Abteilung soweit herausgezogen, dafs die zum Einbringen der Patronen dienende Oeffnung freiliegt. Beim jedesmaligen Herausnehmen einer Patrone treibt die Feder den Schieberwagen vor und drückt die im Behälter zurückbleibenden Patronen derart nach vorn, dafs jede herausgenommene Patrone sofort durch eine andere ersetzt wird. Die Feder legt sich dabei in eine auf den Boden des Behälters angebrachte Rinne. Um den Schieberwagen zu bedecken und ihn in den Schienen festzuhalten, sind die Ränder des Behälters umgebogen. Zur Erleichterung der Herausnahme der Patronen ist ein halbkreisförmiger Ausschnitt am Ende des Behälterbodens angebracht.

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Eine Modifikation hat der Erfinder an einer anderen Tasche noch insofern vorgenommen, als der Schieberwagen nicht wie oben auf gezahnten Schienen läuft, sondern durch eine einfache Spiralfeder in Bewegung gesetzt wird, wodurch die Herstellungskosten verringert werden. Der Schieberwagen selbst besteht aus einem einfachen gewalzten Messingblechstreifen, welcher mit einem Ansatz zum Aufschieben der Spiralfeder versehen ist.

Als Hauptvorzug dieser Patrontasche giebt der Erfinder an, dafs dieselbe während des Gefechts beständig geschlossen gehalten werden kann, wodurch ein Munitionsverlust verhindert wird; dass letzterer auch bei offener Thür der Behälter nicht eintreten kann und dafs die Patronen in jeder Körperstellung des Schützen diesem zur Hand liegen.

In letzter Zeit ist vielfach von einem Hinterladungsgewehre die Rede gewesen, welches Allerhöchsten Ortes durch den Erfinder vorgelegt worden ist und in nächster Zeit zur Prüfung gelangen soll. Es ist dies das unter Nr. 1925 patentirte Gewehr mit Cylinderverschlufs und ebenso wie obige Patronentasche vom Waffenfabrikant V. Sauerbrey in Basel konstruirt. Der Erfinder hat sich bereits vor mehr als 30 Jahren einen bedeutenden Ruf als Waffenkonstrukteur erworben und verfolgt bei vorliegender Konstruktion die Idee, gewissermafsen ein Zwischenglied zwischen Einzellader- und Magazin-Gewehr zu schaffen und den Soldaten in

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