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die Artillerie hatte des spät eintretenden Frühlings wegen keine Zeit, ihre Schieszübungen abzuschlieszen, desgleichen musste die Infanterie wegen Mangels an Schieszständen in der Nähe der Garnisonen einen groszen Theil der Lagerzeit anf die Schieszübungen verwenden. Ganz ähnliche Verhältnisse fanden in Lnck, Meschibusche, ScMtomir und Saratow statt. —

Nachdem wir im Obigen die Sommerthätigkeit der Russischen Truppen in Betracht gezogen und daraus die Ueberzeugung gewonnen haben, dass dieselben in jeder Weise bestrebt sind, die Ungunst der Verhältnisse zu bekämpfen und die ihnen gegebene Zeit nützlich zu verwerthen, schlieszen wir unsere Darstellung mit der Bemerkung, dass die Russische Armee, nach einem Winterbefehl des General Gurko zu schlieszen, auch während des kommenden Winters zu feiern nicht gesonnen ist.

Diese Thätigkeit soll sich speciell auf die gründliche Einzelausbildung beziehen, deren Details den Compagnie-, Schwadronsund Batterie-Chefs ohne Einmischung der höheren Vorgesetzten überlassen bleiben, zu der aber alle jüngeren Offiziere ohne Ausnahme heranzuziehen sind. Gleichzeitig soll aber die theoretische Ausbildung der Offiziere selbst, namentlich der älteren, die der Beförderung zum Stabsoffizier entgegensehen, auf das Energischste betrieben, auch sollen die früher in dieser Hinsicht gestellten Anforderungen erheblich gesteigert werden, dazu sollen dienen: Lösungen taktischer Auf gab en auf Plänen, das Kriegs spie 1 und militairischc Vorträge. Die Lösung von Aufgaben auf Plänen soll die ganze Taktik umfassen, und sollen von jedem Offizier während der Winterperiode wenigstens vier solcher Aufgaben gelöst werden. Als Leitfäden sind die von den Generalen Dragomirow und Leer herausgegebeneu taktischen Handbücher zu benutzen. Zur Lösung jeder Aufgabe sind 14 Tage Zeit gegeben, zu deren Durchsicht und Besprechung durch die Commandeure ebenfalls 14 Tage, so dass in jedem Monat eine Serie von Aufgaben abgethan wird, die bei den Stäben dann ad acta gelegt werden. Vom 1. Januar ab hat dann das Kriegsspiel als Fortsetzung dieser Studien und Gedächtnissauffrischung unter Theilnahme sämmtlicher Offiziere und unter Leitung der Commandeure zu beginnen, Hand in Hand gehend mit militairischen Vorträgen aller Art, bei denen auch künftige Kriege zu berücksichtigen sind. — Für diese unter Heranziehung von GeneralstabsOftizieren vorzunehmenden Beschäftigungen sind schon vorher genaue Programms aufzustellen, und ist jede Abweichung davon höheren Ortes zu melden. Die höheren Vorgesetzten haben ihre Inspectionen auch auf diesen Theil der Ausbildung zu erstrecken u. s. w.

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Bei der im Ganzen günstigen Dislocirung der Truppen des Petersburger Militairbezirks und bei der Energie von dessen Höchstcommandirenden, ist es zu erwarten, dass diesen gesteigerten Anforderungen an den Fleisz der niederen und noch mehr der höhereu Offiziere auch wirklich entsprochen werden wird, und dass dieselben bei dem Vorhandensein einer grüszeren Zahl zu Dirigenten geeigneter Generalstabs- und anderer Offiziere auch ihren Nutzen bringen werden. Anders verhält es sich aber bei den in den Gouvernements stehenden Truppentheilen, die zwar den bestehenden allgemeinen Vorschriften und den besonderen Instructionen ihrer Höchstcommandirenden gemäsz dasselbe leisten sollen, aber der noch immer ungünstigen, namentlich ungleichmäszigen Garnisonverhältnisse wegen nicht dazu in der Lage sind.

So dürfte, trotz allen Fleiszes, eine gewisse Ungleicbmäszigkeit in dem Ausbildnngsniveau, und eine grosze Lücke zwischen Anforderungen und Leistungen noch längere Zeit ein Charakteristicum der in ihrem Streben höchst auerkeunnngswerthen und bereits jetzt in ihrer Tüchtigkeit nicht zu unterschätzenden Armee des mächtigen Nachbarreichs bleiben.

XIV.

Die Dänische Armee und Marine nach dem neuesten Reorganisations-Entwurfe, nebst einem Rückblicke auf deren bisherige Entwickelung.

Von

A. Freiherrn v. Fircks.

(Schluss.)
III.

Während nach den neuesten, dem Folkething von der Regierung vorgelegten Gesetzentwürfen, Dänemarks Streitkräfte zu Lande und zur See fast ausschliesslich für die Vertheidigung des eigenen Staatsgebietes bestimmt und demgemäsz organisirt werden sollen, verfolgte die bisherige Entwicklung des Heeres und der Flotte mehr die Stärkung der für offensive Kriegführung verfügbaren Streitmittel. Es dürfte nicht ohne Interesse sein, auf den Verlauf dieser Entwickelung des Heerwesens und der Marine einen kurzen Rückblick zu werfen.

Im Jahre 1614 errichtete König Christian IV. die ersten stehenden Truppen, zunächst 2 Regimenter Infanterie mit zusammen 18 Compagnien, deren Unterhalt von 4000 Bauerhöfen bestritten werden musste. Diese Bauerhöfe wurden von allen Steuern befreit, wogegen entweder der Besitzer persönlich als Soldat zu dienen verpflichtet war oder einen Ersatzmann stellen musste. Die Compagnien waren durchschnittlich 222 Mann stark.

Im Jahre 1620 wurden sümmtliche Bauerhöfe des Landes, zum Aufbringen der für das Heer erforderlichen Mannschaft und deren Erhaltung verpflichtet; je 9 Höfe stellten gemeinsam einen Soldaten, welcher 3 Jahre hindurch im Dienste blieb; doch beschränkte sich der Dienst im Frieden auf kurze Waffenübungen.

Im Jahre 1646 wurde die Stärke des Heeres nahezu verdoppelt, da fortan je 5 Höfe eine „Lage" bildeten und einen Soldaten zu stellen hatten. Auszerdem war dem Adel seit 1632 die Verpflichtung auferlegt worden, für eine gewisse Fläche Grundbesitz je . einen gerüsteten Reiter zu stellen, wogegen die bisher bestandene, aber praktisch nicht mehr bedeutsame Verpflichtung des Adels, persönlich Rossdienst zu leisten, in Fortfall kam. Neben diesen vom Lande gestellten Truppen wurden jedoch bei Ausbruch eines Krieges stets geworbene Truppen errichtet, welche vorzugsweise für die offensive Kriegführung verwendet worden sind.

Im Jahre 1657 wurden unter König Friedlich III. z. B. 25 Regimenter zu Fusz, 25 Regimenter zu Pferde und eine Artillerie von fiO Geschützen, zusammen jedoch nur ungefähr 16 000 Mann stark, durch Werbung aufgebracht.

Im Jahre 1658 wurde von Studenten der Universität bei der Belagerung von Kopenhagen ein Fusz-Regiment errichtet, aus welchem das spätere 2. Leib-Regiment zu Fusz hervorgegangen ist.

Erst im Jahre 1661 errichtete König Friedrich III. ein geworbenes stehendes Heer, zunächst in Stärke von 14 500 Manu, welche 7 Regimenter zu Fusz und 9 Regimenter zu Pferd bildeten. Je 2 Regimenter zu Fusz und zu Pferd hiervon wurden damals für den Dänischen Theil der Deutschen Herzogthümer errichtet. Auf diese Truppen sollen einige der nach Beendigung der Napoleonischen Kriege beibehaltenen Dänischen Regimenter ihren Ursprung haben zurückführen können und zwar die Leibgarde zu Fusz, das Kronen-Regiment, Königs-Regiment, Regiment der Königin zu Fusz, das FuszRegiment Prinz Christian Friedrich, die Leibgarde zu Pferd, das Leib-Regiment Cürassiere, das Leib-Regiment leichte Dragoner, das Schleswigsche Cürassier-Regiment, die Seeländischeu und Holsteinischen Lanciers, das Jütische leichte Dragoner-Regiment, sowie das Artillerie-Corps.

Im Jahre 1662 wurde die geworbene Armee in Truppenkörper gleicher Stärke umformirt und bestand aus 5 Fusz-Regimentern zu 8 Compagnien und 4 Reiter - Regimentern zu 6 Compagnien; jede Fusz-Compagnie war 150 Mann, jede Reiter-Compagnie 125 Manu stark. Im Jahre 1684 wurde (als Regiment de marine) das spätere

1. Jütische Infanterie-Regiment von König Christian V. errichtet, im Jahre 1701 (als Jütisches Regiment zu Fusz) das spätere Fünensche Infanterie - Regiment von König Friedrich IV., im Jahre 1703 das

2. Jütische Regiment zu Fusz. Unter König Friedrich IV. erfolgte sodann im Jahre 1717 eine beträchtliche Vermehrung der Reiterei, welche auf den Stand von 12 Reiter-Regimentern und 3 DragonerRegimentern gebracht wurde. Im Jahre 1719 waren sogar 20 ReiterRegimenter zu 8 Compagnien von je 82 Mann Stärke vorhanden, doch musste schon im folgenden Jahre dieser über die Mittel des Landes hinausgehende Stand der Cavallerie beträchtlich verringert werden.

Die gesammte Reiterei war damals auf dem platten Lande angesiedelt, was die Umwandlung eines groszen Theiles des Ackerlandes in Weiden zur Folge hatte. Diese Einrichtung wurde im Jahre 1730 von König Christian VI. abgestellt, jedoch schon 1733 wieder eingeführt und erst 1763 unter König Friedrich V. dauernd beseitigt. Inzwischen waren im Jahre 1747 das Falster-Regimeut (später 3. Jütisches Infanterie-Regiment) und das Moen-Regiment (später Oldeuburgisches Infanterie-Regiment), sowie im Jahre 1762 auf Seeland ein Husaren-Regiment (jetziges Garde-Husaren-Regiment) errichtet worden.

Im Jahre 1763 wurde die Dänische Armee neu organisirt und bestand aus 18 Infanterie-Regimentern, 12 Reiter-Regimentern und 3 Batnillonen Artillerie. Bei dieser Gelegenheit ist aus der Leibgarde zu Fusz der Stamm zur Errichtung des späteren 1. LeibRegiments zu Fusz abgegeben worden. Die Truppen waren theils geworbene, theils wurden sie vom Lande aufgebracht. Jedes ReiterRegiment bestand aus 5 Schwadronen, bei der Infanterie dagegen die ausgehobenen Regimenter aus 3, die geworbenen aus 2 Bataillonen. Bei dieser Reorganisation wurde das spätere Fünensche leichte 1 )ragoner-Regiment errichtet.

In den folgenden Jahren bis zum Schlusse des 18. Jahrhunderts wurden sodann noch 6 Fusz - Regimenter aufgestellt, welche nach Beendigung der Napoleonischen Kriegszeit weiter fortbestanden haben, nämlich von König Christian VII. 1778 das Fünensche (später Schleswigsche) und Lalandsche (später Holsteinische) Regiment, 1785 von dem Regenten Prinz Friedrich das Seeländische Jiiger-Corps, 1788 das Schleswigsche Jäger-Corps und 1789 das Jütische und das Lauenburgsche Jäger Corps.

Von den später beibehaltenen Truppentheilen des stehenden Heeres führen ferner noch drei den Zeitpunkt ihrer Errichtung auf die Jahre 1800 bis 1813 zurück; es sind dies das Leibjäger-Corps des Königs (1801), das leichte Dragoner-Regiment Prinz Friedrich Ferdinand (1807) und das von König Friedrich VI. errichtete Raketeur-Corps (1813).

Der Krieg gegen England bedingte im Jahre 1807 eine beträchtliche Truppenvermehrung; man errichtete 10 Landwehr-Regimenter mit zusammen 64 Bataillonen und gab jedem Landwehr-Bataillon nach alter Art 2 leichte Kanonen bei. Diese Truppen bewährten sich jedoch schlecht, als es sich darum handelte, den auf Seeland gelandeten Englischen Truppen im freien Felde entgegen zu treten.

Dänemark hielt bekanntlich am Bündniss mit Kaiser Napoleon fest, weshalb eine alliirte Armee unter dem Kronprinzen von Schweden zu Anfang des Jahres 1813 fast ganz Schleswig-Holstein besetzte.

Dänemark musste im Frieden zu Kiel, 14. Januar 1814, die damals Schleswigsche Insel Helgoland an England und das Königreich Norwegen (ohne die Nebenländer Island und Faröer) an Schweden abtreten und das als Entschädigung von Schweden empfangene Schwedisch-Pommern bald darauf gegen das au Preuszen überwiesene Herzogthum Lauenburg umtauschen. Für die Herzogthümer Holstein und Lauenburg musste der Dänische König auszerdem im Jahre 1815 dem Deutschen Bunde beitreten.

Diese Gebietsverluste bedingten mit Nothwendigkeit eine Verringerung der Dänischen Armee, welche nunmehr aus 14 InfanterieRegimentern, 5 Jäger-Corps, 10 Cavallerie-Regimentern, 2 ArtillerieBrigaden, 1 Raketeur-Corps und dem Ingenieur-Corps bestand. Hierunter befand sich je 1 Regiment Leibgarde zu Fusz und zu Pferd. Jedes Linien - Infanterie - Regiment formirte 2 Bataillone, zusammen mit je 1 Grenadier-, 8 Musketier- und 1 Jäger-Compagnie, jedes Jäger-Corps ebenfalls 2 Bataillone mit zusammen 9 Jäger-Compagnien. Für die Insel Bornholm bestand eine besondere Miliz in Stärke von 4 Compagnien National - Infanterie, 1 Compagnie Jäger, 7 Bürger

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