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Zweck der Zerstörung von Laufgrabenstrecken und Batterien mussten abwechselnd mit einem verständig geleiteten Feuer dem Gegner an Menschen und Material Verluste zufügen und dadurch seinem Fortschreiten unausgesetzt Hindernisse bereiten. Es war ein groszer Fehler der Oberleitung in der Festung, dass seit dem 3. September kein Versuch mehr zur Zerstörung der Angriffsarbeiten gemacht wurde.

Das Verhalten der Infanterie, sowohl beim Angriff wie in der Vertheidigung von Plätzen, welche durch detachirte Forts in erster Linie vertheidigt werden, wird nur sehr wenig von ihrem Verhalten vor und in Festungen nach alter Bauart abweichen. Wir haben deshalb auch unsere Betrachtungen lieber an geschichtliche Thatsachen geknüpft, anstatt in hypothetischer Weise Normen für das Benehmen der Infanterie im Festungskriege der Zukunft aufzustellen.

Der Krieg im freien Felde übt naturgemäsz auf jeden Soldaten einen gröszeren Reiz, aus, als der Festungskrieg. Es hat nichts anziehendes für uns, wochen- ja mondenlang vor einer Festung zu liegen, physisch und moralisch aufs Höchste in Anspruch genommen. Die Aussicht, in einer Festung lange eingeschlossen zu sein, aber ist noch weit weniger verlockend. Dennoch müssen wir darauf gefasst sein, dass wir im nächsten Kriege kaum von einer Theilnahme am Festungskriege verschont bleiben werden. Das ist nicht nur die ausgesprochene Ueberzeugung Vieler seit dem letzten Kriege, sondern darauf deuten auch die neuesten Anordnungen der leitenden militairischen Behörden hin. Der Feststellung neuer brauchbarer Theorien für den Festungskrieg wird offenbar die eingehendste Aufmerksamkeit geschenkt.

Auch an uns Infanteristen ist es, uns mit den Erscheinungen und Forderungen des Festungskrieges vertraut zu machen. Wir müssen uns sogar mit dieser Kriegsart zu befreunden suchen. Und weil man sich mit Allem leichter befreundet, wenn man ihm eine poetische Seite abzugewinnen weisz, so haben wir uns bemüht, eine solche bei dem Festungskriege aufzufinden. Wir finden sie in der weit häufiger als im Feldkriege gebotenen Gelegenheit zu kühnen, hervorragenden, dem Ganzen nützlichen Einzelhandlungen. Die Belagerung von Straszburg bietet hierzu eine Menge Beläge; wir haben viele derselben mitgetheilt.

Denjenigen unserer Herren Leser aber, welche das Kriegsgeschick in künftigen Kriegen vor eine feindliche Festung führt, wünschen wir, dass ihnen dort Bellona reichliche Gelegenheit zu frischem, kühnen Wagen bieten möchte!

XIII.

Die Sommerlager der Russischen Armee
im Jahre 1879.

Voll

A. v. Drygalski,

PremierlieutiMuint a. D.

(Schluss.)

In der Nacht vom 1. zum 2. August n. St. traf der Kaiser zu längerem Aufenthalt in Krasnoe ein, und es begann nunmehr eine mit dem groszen Manöver abschliessende Reihe von Revuen.

Die erste derselben bezog sich auf das Prüfungsschieszen der gesummten im Lager anwesenden Artillerie, 164 Geschütze, davon 108 neue Hinterlader. Auch bei dieser Gelegenheit wurden von den sämmtlich ausgerückten und auf dem Marsfelde aufgestellten Batterien nur die 1. und 4. Batterien der 4 Fuszartillerie - Brigaden und eine reitende Batterie, ferner die aus der Michailow'schen Kriegsschule formirte Batterie, die beiden Lehrbatterien (reitende und Fusz-) und der Lehrkasackenzug, im Ganzen 54 Geschütze (lauter fernschieszende, darunter auch 4 pfd.) zum Schieszen bestimmt. Es wurde auf unbekannte Entfernungen von zwei Stellungen aus: 3300 Schritt und 2100 Schritt geschossen, jede Batterie zuerst nach einer besonderen Scheibengruppe, bestehend aus 2 hintereinander gestellten Scheiben, mit je fünf gewöhnlichen Granaten pro Geschütz, die letzten derselben salvenweise. Das Ziel bei der zweiten Position war eine Darstellung einer Batterie von 24 Geschützen mit voller Bespannung und Bedienung und daneben ausgeschwärmten Schützenketten: 1 Granate und 4 Shrapnels pro Geschütz. Das Resultat war bei der ersten Position für die beiden Lehrbatterien „vorzüglich", für sämmtliche übrigen Batterien „mehr als vorzüglich". Bei der zweiten Position hatten die beiden Lehrbatterien merkwürdigerweise wieder die geringsten Resultate, nämlich: „gut", drei andere „sehr gut", zwei „vorzüglich" (darunter die Junkerbatterie) und zwei „mehr als vorzüglich".

Am Abend dieses Tages hatte das Lehrbataillon und das combinirte Bataillon der beiden Kriegsschulen die Ehre, vom Kaiser inspicirt zu werden, bei welcher Gelegenheit er die Uniform der Pawlow'schen Kriegsschule angelegt hatte. Mit dieser Vorstellung wie immer sehr zufrieden, liesz der Kaiser beim Abrücken das Sängercorps der Kriegsschulen vorrufen und erfreute sich, längere Zeit nebenherreitend, an dessen, bekanntlich eine Specialität der Russischen Armee ausmachenden, Leistungen.

Am nächsten Tage fand im Beisein des Kaisers ein zweiseitiges Manöver der 1. Garde- der 24. Infanterie-Division und einer combinirten Infanterie-Division unter Beigabe von Artillerie und Cavallerie statt. Die Truppen waren in ein Petersburger Corps und eins von Krasnoe Selo getheilt, von denen das letztere ein auf dem Bahnhofe von Krasnoe Selo gedachtes Magazin gegen den von Nordosten (Petersburg) andringenden Gegner zu decken hatte. Ein am 9. August von der 2. Garde-Infanterie-Division nebst ihrer Artillerie ausgeführtes. Manöver gegen einen markirten Feind war deshalb von höherem Interesse, weil bei dieser Gelegenheit zum ersten Male von einer gröszeren Truppeumenge die Anwendung der neuen Tirailleur-lnstruction und der weittragenden Batterien gezeigt wurde, und zwar in einem besonders dazu ausgewählten, sehr wechselnden und mehrere Reihen von Positionen darbietenden Terrain.

Am 10. August fand am Morgen das Exerzireu der gesammten Cavallerie mit reitender Artillerie statt. Dasselbe schloss nach Vornahme einiger reglementarischer Bewegungen mit einem einseitigen, von beiden Garde-Cavallerie-Divisionen ausgeführten Manöver, bei dem namentlich jede Gelegenheit zu Flankenattaken benutzt wurde. Die Flankenbewegungen wurden dabei grösztentheils von den dem ersten Treffen stets angehängten Staffel-Escadronen und von Abtheilungen des 2. Treffens ausgeführt. Die Garde-Dragoner-Brigade hatte dabei Gelegenheit, beim Angriff auf eine Position als Infanterie aufzutreten.

Eine sehr interessante Uebung war das am 11. August Nachmittags 4 Uhr von einem auf Kriegsstärke gesetzten, aus der GardeSchützen-Brigade entnommenen, Bataillon ausgeführte Exerziren mit scharfen Patronen, au dem sich auch 5 Batterien und 2 GardeDragoner - Schwadronen betheiligten. Das Detachement, als eine Avantgarde gedacht, bewegte sich, die Cavallerie voran, mit Sicherheitsmaszregeln vor und trat, den durch alle Arten von Scheiben dargestellten Feind entdeckend, allmälig ins Gefecht. Nach allgemeiner Beschieszung der feindlichen Hauptposition schloss die Uebung mit einer Attake.

Die Schieszresultate waren trotz des sehr ungünstigen Wetters, welches überhaupt den gröszten Theii der Lagerübungen begleitete, recht gute, und zeigte sich von Neuem die früher von vielen Russischen Militairs bezweifelte Thatsache, dass das Nehmen verschiedener Zielhöhen auf gröszere unbekannte Entfernungen im Vereine mit Salvenfeuer und Schnellfeuer von dem gröszten Nutzen ist. Noch mehr fast trat diese Thatsache bei einem einige Tage vorher ebenfalls von den 4 Garde-Schützen-Bataillonen vorgenommenen Prüfungsschieszen hervor, in welchen dieselben mit Ausnahme des durch Regen und Wind gestörten Finnischen Bataillons auf bekannte Entfernungen „besser als vorzüglich" schossen. Das darauf folgende Salvenschieszen mit verschieden gestellten Visiren konnte zwar, da darüber noch keine Bestimmungen existiren, mit keinem Prädicat belegt werden, hatte aber verhältnfssmäszig noch bessere Resultate als das Schieszen auf bekannte Entfernungen.

Am 12. August fand das wie immer dem groszeu Manöver vorangehende einseitige Manöver aller im Lager befindlichen Truppen statt, die zu diesem Behufe in 2 Corps: das Garde-Corps und das combinirte Corps getheilt wurden; den Oberbefehl führte der Groszfürst Thronfolger. Die Idee war die, dass ein aus Petersburg gegen Krasnoe vordringender Feind dieses besetzt hat und von dem vom Flusse Pudosti anrückenden 2. Corps angegriffen wird. Da das GardeCorps sich der schlechten Straszen wegen verspätet, so trifft zunächst nur die Avantgarde des rechts marschirenden combinirteu Corps auf den aus Krasnoe auf das Marsfeld debouchirenden Feind. Sie wird auf das Gros zurückgeworfen, welches nun vermittelst Artillerie so lange den Gegner aufhält, bis sich in der linken Flanke das herankommende. Garde-Corps zu entwickeln und am Angriff theilzunehmen vermag.

Nach erfolgter Vertreibung des Feindes aus seiner ersten Position wird er in seiner zweiten durch die gesammte Fuszartillerie (130 Geschütze) unter Feuer genommen, nach welcher Vorbereitung beide Corps zum Sturm schreiten, und die gesammte Cavallerie schlieszlich den Feind bis Krasnoe Selo verfolgt. Das Manöver verlief so glänzend und bot so groszartige Momente dar, dass" der Kaiser bei der sehr lobend ausfallenden Kritik seinen Sohn, den Obercommandirenden, zum Zeichen seines besonderen Dankes küsste.

Ein Festtag war der 13. August wegen des am Nachmittag stattfindenden groszen Armeewettrennens, dem am Vormittag ein Prämienschieszen von Offizieren, im Ganzen 176 und allen Truppentheilen des Lagers angehörig, voranging. Geschossen wurde auf 200 Schritt aus allen bei den Truppen gebräuchlichen Gewehrsystemen. Diesem Schieszen (bereits dem 3. in diesem Jahre) folgte noch eins für die Mannschaften.

Das grosze Rennen, an dem auch die Mannschaften des Kaiserlichen Convois theilnahmen, begann in Gegenwart des gesammten Hofes und einer ungeheuren Zuschauermenge um 5 Uhr Nachmittags, und zwar zuerst mit einem Dreiwerstrennen mit Hindernissen. Preise 350 und 200 Rubel. Es ritten 5 Offiziere. Erstes Pferd lief die Distance in 4 Minuten 21 Secunden.

Bei dem darauf folgenden Einwerstrennen des Kaiserlichen Convois (die Preise bestanden in Uhren, gegeben von den Offizieren) ritten zuerst 20 Junker der Kaukasischen Escadron. Das erste Pferd brauchte 1 Minute 30 Secunden, dann 11 Kasacken, das erste Pferd brauchte 1 Minute 2il/2 Secunde.

Bei dem sich anschlieszenden Zweiwerstrennen (zwei Preise zn je 300 Rubel und 100 Rubel) ritten 5 Offiziere. Das erste Pferd brauchte 2 Minuten 51 Secunden.

Die Preise wurden nach dem Rennen vom Kaiser in dem Pavillon ausgetheilt, und erhielten bei dieser Gelegenheit auch die Sieger beim Offizierschieszen und bei dem am 31. Juli vorangegangenen obligatorischen Zwei werstrennen ihre Prämien; desgleichen die Offiziere und Mannschaften, die sich bei einer vorhergegangenen Prüfung in der Manegereiterei ausgezeichnet hatten. Den Beschluss des Rennens machte das grosze Vierwerstrennen mit Hindernissen, zu dem die Preise vom Kaiser und sämmtlichen Mitgliedern der Kaiserlichen Familie gegeben werden, und bei dem sich Offiziere der gesammten Cavallerie und reitendeu Artillerie auf in Russland geborenen Pferden betheiligen dürfen. Es ritten 15 Offiziere. Drei Preise: 1. Werthsache im Preise von 500 Rubel und 3000 Rubel baar, der Sieger brauchte 4 Minuten 35 Secunden; 2. Werthsache zu 300 Rubel und 1700 Rubel baar, Zeit des Siegers 4 Minuten 361/2 Secunde; 3. Werthsache zu 150 Rubel und 850 Rubel baar, gewonnen in 4 Minuten 363/4 Secunden. Sämmtliche drei Sieger waren Offiziere der Armee und nicht der Garde, wobei zu bemerken ist, dass die aus den Provinzeu kommenden Offiziere freien Transport für ihre Pferde, andererseits auch Gelegenheit haben, gutes Rennmaterial ans erster Hand zu kaufen. Im Allgemeinen ist über den Sport der Russischen Offiziere vorläufig trotz der von oben her darauf gerichteten Sorge — wir erinnnern an das obligatorische Zweiwerstrennen mit Hindernissen für alle Offiziere einschl. der Stabsoffiziere — noch nicht viel Rühmenswerthes zu sagen. Die Offiziere ritten bisher

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