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Züge vertheilt liegen und die Ausbildung der Recruten sich unter die verschiedenen Zugführer vertheilen. Hierdurch muss unseres Erachtens die Einheitlichkeit der Ausbildung, selbst wenn man sie für die Leute im zweiten und dritten Dienstjahre nachzuholen sucht, doch ganz wesentlich leiden.

Als bemerkenswerth wollen wir den Grundsatz hervorheben, dass beim Felddienst ein groszer Sprung des Pferdes manchmal anzustreben sei, weil im Ernstfalle dieser Dienst die gröszten Anforderungen an das Pferde-Material stelle, man dieses daher im Kriege und daher auch in der Friedensübung keinen Schritt mehr gebrauchen soll, als es die Lösung der jedesmaligen Aufgabe unbedingt erfordere. Erwähnen wollen wir ferner, dass — und hierin können wir nur beistimmen — der Verfasser beim Felddienst-Unterricht vor allen den Nachrichten- und Patrouillendienst gelehrt und geübt wissen will, dann den Marschsicherungsdienst und ganz zuletzt erst den Vorpostendierist.

Bei uns ist es ein alter Zopf, dass meist das Entgegengesetzte geschieht, und doch entspricht das keineswegs der wahren Bedeutung der Dinge, wie das auch in der vorliegenden Broschüre richtig betont wird.

Was nun die Methode des Unterrichts für die Recruten anbetrifft, so erregt dieselbe, wie sie hier in mannichfachen Beispielen dargelegt wird, manche Bedenken.

Der Verfasser verlangt eine fortgesetzte ununterbrochene Beaufsichtigung jedes einzelnen Recruten durch einen Lehrer bei jedem Schritte, den er thut. Diese Beaufsichtigung soll, indem sie allmälig immer weniger in die selbstständige Thätigkeit des Mannes eingreift, ihn schrittweise selbstthätig und selbständig machen.

Es scheint uns, als ob eine Durchführung dieses Systems, wie sie der Verfasser verlangt, überhaupt kaum denkbar ist, wo sie aber doch erreicht wird, da muss nothwendig das kriegsgemäsze der Hebung darunter leiden, und der Recrut erhält dann irrthümliche Anschaunngen von der Wirklichkeit der Dinge. Die Distancen müssen ungemein kurz werden, ebenso die Gänge, da sonst ein fortwährendes im Auge Behalten gar nicht möglich ist — und die wesentlichen Factoren der gesammten Thätigkeit, die doch offenbar vielmehr auf Schnelligkeit und Energie des Handelns beruhen, als auch Schlauheit nnd List — auf welche der Verfasser den Haupt-Accent zu legen scheint, und denen wir ihre relative Bedeutung ja gar nicht absprechen wollen, gehen dadurch verloren. Wir wollen uns hier nicht darauf einlassen, die Art des Patrouillirens allgemein zu besprechen, es würde das zu weit führen, aber wir müssen doch sagen, dass, wenn das „ruckweise Vorgehen" und „der gesicherte Halt" auch manches Vortheilhafte Gnden, sie doch die eine grosze Gefahr in sich schlieszen, wenn unrichtig angewendet, die Ausnutzung der Schnelligkeit lahm zu legen und den Schneid zu untergraben.

Für die Ausbildung der älteren Leute wird verlangt, dass hier die Einheitlichkeit vor Allem ins Auge gefasst wird. Alles was über deren theoretische und praktische Ausbildung gesagt wird, können wir nur unsere volle Anerkennung zollen. Ebenso Allem was die Ausbildung des Unteroffiziercorps betrifft.

Es wird in richtiger Würdigung der Wirklichkeit hervorgehoben, dass auf einer gründlichen Ausbildung der Unteroffiziere die Tüchtigkeit der ganzen Schwadron wesentlich beruhe, dass daher der Escadronschef ihnen seine fortdauernde Aufmerksamkeit zu widmen habe. Die Recognoscirungsritte, welche der Verfasser empfiehlt, sind gewiss das letzte Mittel, ein im Felddienst gründlich ausgebildetes Unteroffizier-Corps zu erzielen. Wir empfehlen daher, dass dieses vor< treffliche Mittel der Ausbildung auch bei uns mehr Beachtung finde als bisher. Auch für den theoretischen Unterricht der Unteroffiziere dürften die Ansichten des Verfassers, die durch ein Beispiel erläutert werden, durchaus sachgemäsz und zweckentsprechend sein.

Was die Zeiteiutheilung anbetrifft, so passt dieselbe eben nur für locale Verhältnisse; die alten Leute sollen schon während des Winteidienstes vollkommen für deu Feldienst ausgebildet werden, was bei uns schon der Witterung halber wohl kaum augänglich wäre und auch den maszgebenden Anschaunngen über die WinterAusbildung unseres Pferde-Materials einigermaszen widersprechen dürfte.

Die angeführten Beispiele sind durchweg in jeder Beziehung interessant und lehrreich. — Ganz können wir aber der darin gegebenen Methode der Felddienst - Uebungen nicht beipflichten. Der Verfasser betont zwar überall, dass alles Schematische vermieden werden müsse, und doch scheint uns, dass die in den Beispielen gegebene Freiheit der Bewegungen keine genügende ist, die Distancen auch vielfach zu kurz sind. Die Verabredungen zwischen den gegen einander operirenden Truppen, besonders in dem Beispiel, wo zwei Schwadronen gegen einander operiren, gehen entschieden unserer Ansicht nach zu weit — und dürften Zeitbestimmungen, die bis auf Minuten die Abgangszeiten der beiderseitigen Patrouillen vorher regeln, um möglichst instructive Bilder zu erzielen, auch factisch nicht zu dem Gewünschten führen.

Sind wir somit in manchen Punkten anderer Ansicht als der Ver

fasser, so können wir doch im Groszen und Ganzen die kleine Broschüre allen Cameraden von der Waffe angelegentlich empfehlen. Sie enthält viel des Interessanten und des Lehrreichen aus der reichen Erfahrung eines praktischen und in jeder Hinsicht verdienten Reiteroffiziers.

Biographische Blätter aus Deutscher Geschichte. Herausgegeben von G. v. Glasenapp. Heft 2: Kaiser Wilhelm. Zwanzig Jahre Preuszischer Heeresgeschichte. Der Generalstab. Von A. Freiherr von Fircks, Hauptmann a. D. und Mitglied des Königlichen Statistischen Bureaus. Nachdem das erste Heft der „Biographischen Blätter aus Deutscher Geschichte" im Sommer d. J. bei Gelegenheit der goldenen Hochzeit unseres Herrscherpaares erschienen und im Wesentlichen dem Privatleben Kaiser Wilhelm s gewidmet war. bringt das zweite Heft ein Stück Preuszischer Heeresgeschichte, indem es sich mit dem Wirken des Generalstabes während der letzten 20 Jahre beschäftigt. Während dieser Zeit steht bekanntlich General v. Moltke an der Spitze des Preuszischen Generalstabs und eine Geschichte des Letzteren gestaltet sich fast von selbst zu einem Lebeusbilde des weltberühmten Strategen. • So gilt auch der Inhalt des vorliegenden Werkes hauptsächlich nur dem Wirken und Schaffen Moltke's, dessen Bild dem Buche beigegeben ist. Nach den besten veröffentlichten Schriften hat der Verfasser kurze Mittheilungen über das Leben des Feld- • marschalls gebracht und sucht dem Leser ein anschauliches Bild der ganzen Lebens- und Schaffensweise des „Denkers der Schlachten" zu geben. Ob das Letztere in jeder Beziehung genau und dem Tbatsächlichen entsprechend ist, mag dahin gestellt bleiben, jedenfalls erhöht es wesentlich das Interesse für den groszen Schweiger. Dem eifrigen Forschen des Verfassers nach den schriftstellerischen Arbeiten Moltke's ist es merkwürdigerweise gelungen, eine kleine Schrift wieder ans Tageslicht zu bringen, von deren Vorhandensein zur Zeit wohl nur wenige eine Ahnung hatten. Im Jahre 1831 schrieb nämlich der damalige Premier-Lieutenant v. Moltke mit Bezug auf die ausgebrochene Belgische Revolution ein Buch betitelt „Holland und Belgien in gegenseitiger Beziehung seit ihrer Trennung unter Philipp II. bis zu ihrer Wiedervereinigung unter Wilhelm I." Von den übrigen zahlreichen biographischen Angaben über den Chef des Preuszischen Generalstabes wäre nur richtig zu stellen, dass der General nicht am 8. März 1868 sondern 1869 sein funfzigjähriges Dienstjubiläum feierte, und dass der Anfang des unter seiner Leitung bearbeiteten

Werkes über den Deutsch-Französischen Krieg 1870/71 nicht in das Jahr 1874 sondern 1872 fällt.

Gewissermaszen als Einleitung für die Thätigkeit des Generals v. Moltke als Chef des Preuszischen Generalstabs ist in dem vorliegenden Werke iu knapper Form eine Geschichte des BrandenburgPreuszischeu Generalstabes von der Zeit des groszen Kurfürsten bis zum Regierungsantritt des Königs Wilhelm vorangestellt. An diesen Abschnitt schlieszt sich dann ein besonderer Abriss der politischen Lage zur Zeit der Regentschaft des Prinzen von Preuszen, welcher bekanntlich den General v. Moltke an die Spitze des Generalstabs berief. Durch diese Beigaben treten die hohen Verdienste des genannten Generals in seiner organisatorischen Thätigkeit und um die Erziehung der zum Generalstab commandirten Offiziere erst in das rechte Licht und wird der Leser mitten in die Werkstätte jener so überaus wichtigen und einflussreichen Behörde geführt.

Den Zwecken der „Biographischen Blätter", welche das Ziel verfolgen, „in jedem guten Deutschen Hause Eingang zu finden und sich in ihrer Gesammtheit zu einer Nationalbibliothek zu gestalten" dient das vorliegende Buch gewiss in der trefflichsten Weise.

Die Befestigung und Verteidigung der Deutsch-Französischen Grenze. Der Deutschen Armee dargestellt von einem Deutschen Offizier.

Die vorliegende kleine Schrift enthält, obgleich sie nur 37 Seiten umfasst, ein vollständig erschöpfendes und klares Bild über die Befestigung- und Vertheidigungfähigkeit der Deutschen wie der Französischen Grenzlande, entwickelt in anschaulicher Weise das Eisenbahnsystem der beiden in Betracht kommenden Staaten und tritt dann insbesondere noch dem Französischen Landes - Vertheidigungsplan näher, wie solcher aus den vorhandenen Befestigungsanlagen und aus den zahlreichen in verschiedenen Französischen Militair-Zeitschriften veröffentlichen Aufsätzen zusammengestellt werden kann. Mit gmszer Gewandtheit weisz der Verfasser seine Anschaunngen darzulegen und den Leser zu überzeugen; überall spricht aus der Arbeit ein reifes Urtheil und ein weiter, durch wissenschaftliche Studien geklärter Blick. Die in der Broschüre niedergelegten Anschaunngen stimmen nicht vollständig mit anderweitigen diesen Gegenstand behandelnden Aufsätzen, wie z. B. mit den im Mai und Juni 1878, sowie mit dem im Juli d. J. in den Jahrbüchern veröffentlichten Arbeiten überein. Doch ist hier nicht der Ort, das Für und Wider

der verschiedenen Ansichten zu prüfen und zu erörtern. Ganz zweifellos bildet die kleine vorliegende Schrift einen wichtigen Beitrag zu einer sehr wichtigen militairischen Frage und wird für alle, welche sich nur einigermaszen über die Vertheidigungsverhältnisse Deutschlands und Frankreichs unterrichtet halten wollen, unentbehrlich sein.

Kriegs-Telegraphie. Geschichtliche Entwickelung, Wirkungskreis und Organisation derselben. Von R. v. Fischer-Treuenfeld, Mitglied der Kgl. geographischen Gesellschaft, des Vereins der Telegraphen-Ingenieure in London u. s. w.

Nachdem durch die Kriege der beiden letzten Jahrzehnte die Bedeutung der Kriegs-Telegraphen für die Kriegsführung unbestreitbar dargelegt worden war, trat sehr bald das Bedürfniss nach einem diesem Gegenstand übersichtlich darstellenden Handbuch hervor. Demzufolge erschien schon im Jahre 1877 bei Mittler eine kleine Studie „Die Kriegs-Telegraphie" vom Hauptmann Buchholtz bearbeitet, welche aber, wie der Verfasser selbst sagte, bei der Neuheit des Gegenstandes manche Lücken aufzuweisen hatte und deshalb eine weitere Behandlung dieses neuen Factors der Kriegführung erwünscht erscheinen liesz.

Dieser schwierigen Aufgabe hat sich nun Herr v. Fischer mit groszer Gewissenhaftigkeit unterzogen und war hierzu bei seinen technischen Kenntnissen und kaum von einem Offizier übertroffenen Kriegserfahrungen, wie kein anderer geeignet. Er hat als Techniker von Fach im Jahre 1864 in Paraguay ein Kriegs-Telegraphen-Corps geschaffen und fünf Jahre lang in dem Kriege gegen die TripleAllianz unter den denkbar schwierigsten Verhältnissen geleitet, worüber er von S. 30—49 ausführlich berichtet. Wir bekommen durch diese Schilderungen erst einen Begriff, wie weit uns in dieser Beziehung schon im Jahre 1864 die kleine Amerikanische Republik im Vergleich zu unserer Verwendung der Kriegs - Telegraphen in Schleswig-Holstein voraus war und welche weitere Verwendung die Kriegs-Telegraphen bei gut geschulten Truppen in Zukunft haben können.

Verfasser hat den umfangreichen Stoff zur besseren Orientirung in ähnlicher Weise wie Hauptmann Buchholtz gegliedert, und er hat das Material gleichzeitig mit den betreffenden Organisationen, was auch viel für sich hat, besprochen.

Der dieser Besprechung gebotene Raum gestattet keine ausführliche Darlegung der vielen hochinteressanten Mittheilungen über

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