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Du weifst, dass ich bei Fiedeln und Floitieren
Des Amts, den Speer zu führen, nie vergafs,
Und, riefen mich Posaunen zum Turnieren,
Riefst du zum Streit, stets fest im Sattel safs.
Als Erfurts Gärten unter Hufgestampfe
Zertreten wurden, stund ich frank im Kampfe.

So nimm denn heut, da wir nicht unter Schilde
Austraben müssen, mild mein Buch zur Hand;
Vielleicht dass es mit manchem bunten Bilde
Erinnerung verklärter Zeit Dich mahnt.
Wir neiden Dich um jene goldene Jugend,
Da als den Seinen Dich Paris verehrt,

Da König Ludwigs Hof Dich Rittertugend,
Sanct Victors Schule Weltweisheit gelehrt.

Der Bart ergraute.. Doch, Gesang zu lieben,
Ist dir als Erbteil jener Zeit geblieben.

Vielleicht dass dort dir auch des Grals Geschichten

Die Dame der Champagne einst erzält,

Marie von Frankreich, die mit süfsem Dichten

Die Sagen der Bretonen neu beseelt.

Du hast manch eine Truhe wolbeschlagen

Dir damals aus der Ferne heimgebracht,

Dran die Frau Mutter wenig Wolbehagen
Kundgab und schalt, als man sie aufgemacht!

,,Ein Lied.. noch eins. . und aber eins. . und wieder:
Eiei, Herr Sohn, nur Fabliaux und Lieder?!"

Ich seh Dich lächeln. Aus metallnen Decken
Entfaltest du ein stattlich Pergament,

Von Goldgrundbildern schimmern Rand und Ecken,
Du aber sprichst, was lang mein Herz erschnt:
,,Mög' deinem Parzival die Ruhe frommen,
Biderbem Sänger ziemt die Ruhe nicht,

Ein neues Lied ist uns aus Frankreich kommen,

Das schwertscharf Bahn sich durch die Heiden bricht!
Uns freut der Völkerschlacht Getös' und Galm,

Nimm hin und wend' uns deutsch den Willehalm!"
J. V. v. Scheffel (1863).

Tristan und Isolde.

Das hohe Lied der Leidenschaft,
Starr, urgebirgisch, riesenhaft
In dunkler Höle von Basalt,

Wo Trauer durch die Säulen hallt,
Im alten Celtenland entsprungen,
An Englands, Frankreichs Hof gesungen,
Das hehre Trauerspiel verwischt
Als lüsterne Fabel aufgetischt,
Urstein zu Modetand zerbrochen
Von Eilhart schläfrig nachgesprochen,
Hier warm gehegt, dort halb gelitten,
Ein leichter Spiegel leichter Sitten,
So kam es in des Meisters Hand
Er musst es nehmen wie ers fand:
Freiheit nach innen, nach aufsen Pflichten,
Das war die Zeit, das war ihr Dichten.
Gehorsam ging er Schritt für Schritt
Der Märe und seiner Urschrift mit,
Leichfüfsig wie ein Vogel geht,
Und dennoch wo er geht und steht,
Bei jedem Schritt versenkt er sich
Tiefinnerlich, herzinniglich

In aller Dinge Kern und Wesen.
Die Fabel wie er sie gelesen,
Die enge, von Welt- und Hofeslust,
Die er nach aufsen lassen musst',
Nach innen wie hat er sie erweitet,
Tief in des Herzens Grund geleitet,
Und dort aus einer losen Mär
Erbaut einen Tempel hoch und hehr,
Einen Tempel echter Minne!
Seht wie er hat darinne
Alles zum Heiligtum geweiht,
Die holde Lust, das liebe Leid,

Das zärtste was ein Herze hegt

Und unerkannt durchs Leben trägt,

Des Weibes allerhöchstes Gut,

Die Treue mit dem Löwenmut,

Die sie nicht selber nur verschönt,
Die auch ihr ganz Geschlechte krönt,
Die um ureigne Rechte ficht

Mit Welten, weh, mit Recht und Pflicht!
Die, in der Erde Qualm und Staub
Der Erdenot, der Lüge Raub,

Mit heiliger Glut die Schuld vernichtend,
Hilflos die blöde Lüge richtend,

Gereinigt in des Staubes Schmerz,
Dem Vater der Liebe fliegt ans Herz!

In solchem Bild der Leidenschaft

Was braucht's noch Zaubertrankes Kraft?
Den Trank, den Tristan und Isold
Getrunken, solch ein flüssig Gold,
Ich wähne, trank auch Gottfrieds Mund;
Vom sülsen Gift im Herzen wund,
Die brennende Wunde lächelnd
Mit kühlen Scherzen fächelnd,
Drängt er des Minnezaubers Hort,
Den ganzen, in sein Zauberwort
Und wird, verzaubert von Minne,
Ein Zaubrer aller Sinne.

Seit sich die Erde dreht im Ring,
Und da sie noch im Mittel hing,
Ist mir kein Meister offenbar,
Dem so das Wort gehorsam war.
Die gröfsten aller Zeiten,
Wenn sie zu Heimlichkeiten,
Zu innersten Geweben

Von Herz und Menschenleben,
Zu Wundern, die im Dunkeln
Schofse der Erde funkeln,
Mit Sange fahren nieder,
So lassen sie ihre Lieder
Aus dumpfer Ferne läuten,
So wissen sie zu deuten
Mit einem mächtigen Worte
Auf die verschlossne Pforte,
Dahinter das Geheimnis ruht,
Dass wir's im ahnungsvollen Mut,
Doch nicht mit Augen leiblich sehn.
Er aber bleibt davor nicht stehn:

Wo andre enden, da hebt er an

Und handhabt, wie kein andrer Mann,
Mit seinen sülsen, frischen,

Gefügen, zauberischen

Verslein, die schalkhaft blinken,

Des Tores goldne Klinken,

Dass es sich öffnet weit und grofs.
Da lässt er uns im Felsenschofs
Auf nie gekannten Auen
Krystallne Wunder schauen.

Kein Schwanken hier, kein Stillestand!
Er führt uns an der treuen Hand
Weit weit hin durch den stillen Raum,
Und nicht in sinnenhalbem Traum:
Ja, nicht umsonst durchs Felsgestein
Hieb er die heimlichen Fensterlein,
Dadurch in die dunklen Hallen bricht
Das holde, sichre Tageslicht,
Das befangne Herz im Zaubersal
Anheimelnd mit lebenswarmem Stral.
Und hat er so im Wunderschacht
Den fernsten Winkel hell gemacht,
Da kommt er aus dem Felsenspalt,
Ein klarer Fluss, hervorgewallt

Und eilt mit perlendem Schaume munter
Über Fels und Stein ins Tal hinunter,
Gleitet mit sanftem Rieseln

Hin über weifsen Kieseln

Durch Waldesdämmerungen,

Wo Stamm mit Stamm umschlungen,

Vorbei an grünen Auen,

Wo Ritter und zarte Frauen

Sich scharen zu Tjost und Tänzen,

Und bunte Zelte glänzen.

Und jeglichem Gestade

Auf seinem Schlängelpfade

Schwemmt er von seinem Goldsand an,

Den er im tiefen Fels gewann,

Und hört ihr aus den leisen,

Den froh gefügen Weisen,
Aus den geschwätzig süfsen,

Frisch murmelnden Wellengrüfsen,

Hört ihr die Klage schallen,
Den Seufzer, der die Hallen

Der Felsen füllt mit Schauer,

Die uralt alte Trauer,

Dass Liebe je mit Leide lohnt,

Dass Schmerz je bei der Freude wohnt?
Wie klingts in seinen Weisen nach,
Wie schmerzlich süfs, das leise Ach!
Wohin nun rollt er seine Wogen?
Er wendet sich in scharfem Bogen;
Noch ahnt mir manche Wunderschau,
Felswände schroff, Geklüfte grau,
Zuletzt ein stiller blauer See,

Da endet jede Trauer

Web,

Er schwindet hin! In voller Pracht,
Tückisch entrissen in die Nacht!
Verschlungen ohne Wiederkehr!
Da fuhr wol böser Geister Heer,
Die schönen Menschenloosen grollen,
Der Dichtung Rosen vergiften wollen,
Zur Stunde, da er dem Tag entschwand,
Mit fesselloser Sclavenhand

Frohlockend über die öde Stelle.

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Hermann Kurtz (1844).

Wa nu rîcher künste hort,

wa schone rede, wa blüende wort,
wâ vünde fîolîn gevar;

wa sprüche sam die rôsen clár,
wa sinnic satz, wâ vündic sin?
der aller ich ein weise bin.
Getichtes des gar spêhen,

des richen und des wêhen

bin ich ein erbelôser man

und hab mich doch genumen an

zu volbringene diz mêr

daz so blüende hat unz her

mit schoner rede betichtet

und meisterlich berichtet

sin herre, meister Gotfrit

von Strazburc, der so mangen snit

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