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Im Bilkerbusche bei Düsseldorf,

den 13. Junius 1778.

Hier, wo mit stiller Pracht Der Eichen Äste schwanken,

Durch eines Weinstocks Ranken

Das Bauerhäuschen lacht;

Im Hof die alte Sitte

Den Brunnenschwengel dreht,

Vor jener Bienenhütte

Der krumme Kirschbaum weht,
Und in des Gartens Mitte
Die Sonnenblume steht;

Wo sich um rohe Stäbe
Die wälsche Bohne schlingt,
Und flüsternd das Gewebe
Dem Sitze Schatten bringt,
Der unter Pflaumenbäumen
Zur Hälfte sich versteckt,
Auf dem aus Mittagsträumen
Den Fleifs die Arbeit weckt;
Hier, wo sich rings mit Ähren
Der Zaun von Dornen kränzt,
Die Sonne freier glänzt;
Wo friedliches Begehren

Sich weich auf Blumen legt,

Der Puls gelinder schlägt;

Der weite Wald sich schwärzlich

An blonde Saten schliefst,

Und Lieb' in Lüften fliefst:

Hier wünsch' ich traut und herzlich,

Von andern Wünschen leer,

Die besten Menschen her;

Gedenke mir vor allen,
Du guter Asmus, dich;
Es würde sicherlich

Mein Plätzchen dir gefallen,
Dich lauter Lust umwallen,

Und Liebe, so wie mich.

O könnt' ich, bei der Finken
Helltönendem Gesang,

Dich aus der Ferne winken
Auf meine Rasenbank!

Dir an den grünen Zweigen,
Die, stark und dennoch mild,
Natürlich und nicht wild,
Im Morgenglanze steigen,
Im Abendtau sich neigen,
Ein ungeheuchelt Bild
Von deiner Seele zeigen!
Gelagert neben dir,

Freund Asmus, wollt' ich hier
Aus deinem Munde lernen:
Wie man im Mondenschein
Und ohne Mond, im Hain,
Umfunkelt von den Sternen,
Empor die Augen hebt,
Im Tempel Gottes lebt;
Dann aus dem Tempel wieder
Zur kleinen Erde nieder
Mit Nachtigallen schwebt,
In dichtumbüschte Gründe,
Worin das Veilchen bebt.
Ich lernte neben dir
Auf meinem Rasen hier:
Wie der sich im Gewinde
Von Weisheit nicht verirrt,

Der sonder Arg zum Kinde
Voll Lieb' und Glaubens wird;

Der seinen Vater oben

Im hohen Himmelszelt

Auf frisch besätem Feld

Zu bitten und zu loben

Für eitel Segen hält;

Im Glückesschimmer biegsam

Und, reich und arm, genügsam,

Kein Gutes sich vergällt;

Der ohne Stolz ein Weiser,
Zu Japan vor dem Kaiser
Mit treuer Wahrheit steht;
Dem Kaisertum zu frommen

Des Marschalls Ohr erfleht
Und, leicht wie er gekommen,
Zurück nach Wandsbeck geht.
O könntest du mich's lehren!
Ich baut' in Herzensruh
Ein Gärtchen so wie du;
Nähm' auch in allen Ehren
Ein Weibchen mir dazu,
Das mir zur Seite ging
Mit zärtlichem Vertrauen,
Wenn's über dunkeln Auen
Voll tausend Lichter hing.
Da sollten so gering

Im Paradies auf Erden

Uns Arbeit und Beschwerden,

Da sollten uns so rein

Die trübsten Tage werden;

Und lächelte Freund Hain,

Auch er willkommen sein!

Georg Jacobi.

Andenken des Wandsbecker Boten.

Der Bote ging in schlichtem Gewand,

Mit geschältem Stab in der biedern Hand,
Ging forschend wol auf und forschend wol ab,
Von der Wiege des Menschen bis an sein Grab.
Er sprach bei den Frommen gar freundlich ein,
Bat freundlich die andern, auch fromm zu sein,
Und sahn sie sein redliches, ernstes Gesicht,
So zürnten auch selbst die Toren ihm nicht.
Doch wussten nur wenige, denen er hold,
Dass im hölzernen Stabe gediegenes Gold,
Dass heimliche Kraft in dem hölzernen Stab,
Zu erhellen mit Lichte des Himmels das Grab.
Nun ruhet er selbst in der kühligen Gruft,
Bis die Stimme des hehren Erweckers ihn ruft;
O gönnet ihm Ruh in dem heiligen Schrein
Und sammelt die Ernten des Säemanns ein!
Er säte das Wort, und sein Leben war Frucht,
Er führete lächelnd zu heiliger Zucht;

O spendet ihm Blumen aufs einsame Grab
Und schauet getrost in die Ruhstätt hinab!
Und begrüfset mit Wünschen sein trauliches Weib,
Die zartere Seel' in dem zarteren Leib;
Die mit ihm in heiliger Liebe gepart

In Tränen der grofsen Vereinigung harrt.

Fr. L. v. Stolberg.

Chr. F. D. Schubart.

Ihn stiefsen sie aus frischen Lebensgärten
In dunkle, modernde Gewölbe nieder,

Mit Ketten seine Hände sie beschwerten:

Da stiegen Heil'ge liebend zu ihm nieder,

Und wurden fortan Freund' ihm und Gefährten:

So sang begeistert er die frommen Lieder.

Und als den Kerker sie ihm aufgeschlossen,

Schien ihm die Welt von Grau'n und Nacht umflossen.

Matthisson.

Heute
Mit Freude

Kam mir zur Hand

Von Matthissons Gedichten der Band,
Vom Buchhändler ins Haus gesandt,

Bis zum heutigen Tage

Die dreizehnte Auflage.

So ist er doch nicht ganz vergessen,
Der hier einst hoch zu Thron gesessen;
Und so mögen, die jetzt zu Thron
Sitzen, sich trösten an Matthisson!
Wären wir alle so fleckenrein!

Stärker und tiefer dürften wir sein.
Wie gleitet alles gemächlich
Dahin sanft oberflächlich,

J. Kerner.

Friedrich von Matthisson, Johann Graf von Salis-Seewis.

So gar nicht abenteuerlich,
Romantisch ungeheuerlich!
Aber einem genügsamen Sinn

Mag noch alles gefallen darin.

Rackert.

Du hast eifrig copirt, was der Mutter Natur an Effecten,
Was ihr an Alpen und See'n und an Kaskaden gelang,
Aber die Wasserfarben, die du gewälet, sie bleichen.
Leider durch Zeit und durch Licht immer entschiedener ab.
Aus: Kleine Schwärmer (1827).

Salis.

Alpenblümchen hast du gepflückt auf dem Pindus, bescheiden
Liefsest Apolls Lorbeer du für die Würdigeren.

Aus: Kleine Schwärmer (1827).

In Graubünden.

Juli 1872.

Ich sitz' im rasselnden Zuge;
Vorbei! Die Funken sprüh'n!
Seid mir gegrüfst im Fluge,
Ihr Weiler still und grün!

Mit Schlössern und mit Hütten,
Mit Busch und Baum und Bronn,
Wie liegt ihr traut inmitten

Der Flur am Rhäticon!

Schneehäupter leuchten und brennen

Hoch über euch landein;

An euch vorüberrennen

Seht ihr den jungen Rhein.

Das Leben seht ihr schäumen

Den Strom hinauf, hinab,
Seht unter Blumen und Bäumen

Am Strom auch manches Grab.

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