Obrazy na stronie
PDF
ePub

Bürger.

Schwer lag auf dir das Leben und hemmte den Flug der Begeistrung,

Aber auch so bleibt dir manches unsterbliche Lied.

Denn von der deutschen Treue ward deine Muse gesäuget,
Wahrheit, Wärm' und Gefühl war von dem Volk ihr vererbt.
Überladest du oft und sparst du die tilgende Feile,

Golden lacht die Orang' aus dem umwuchernden Grün,

Und wenn sich selbst manchmal unwürdige Plattheit hindurchdrängt, Muss nicht der edelste Baum wurzeln im niedrigen Staub?

Aus: Kleine Schwärmer (1827).

An Christian Grafen zu Stolberg.

Vorbei mir zog der lorbeerumgürtete Tag,
Schon in der Wiege tönend mit Liedesklang
Mir um das unbewusste Seelchen,

Tönend mir zu:,,ich gebar den Stolberg!

Den Stolberg, der mit herrlichem Zitherlaut
Einst dich erweckt verbündet sein Bruder mit
Zum Liedesstammeln einst dich aufruft,
Dass dir bekränzet die Saiten rauschen!

Wegrauschend dir der sünd'gen Lüstlingswelt
Sirenenlockung! Weg dir den wilden Traum
Der blutbesprengten Freiheitslügner!

Weg dir, was irgend den Geist entadelt!"

Es kam, reich kam, was ahnend der Tag verhiefs,
Und mehr noch kam, die himmlische Pforte ging,
Die goldne meiner ew'gen Heimat

Tönend mir auf und verhiefs mir Eingang!

Dort werd' ich erst im seligen Palmenhain,
Dort an der Lebenswasser umblümtem Quell,
Dort in der ew'gen Lichtstadt Gassen,

Preisen und singen mit euch, ihr Brüder!

Ihr Brüder Stolberg!

Wie uns derweil die Zeit

Mit sturmbewegten Fittichen trüb' umrauscht

Ach, oft mit tränenfeuchtem Fittich!

Trennend den söhnlichen Freund vom Vater!

Von seinen Liedervätern, euch allen zwei'n,
Ihr Dioskuren! - Dennoch mein Lied bezwingt
Sieghaft die nebeldunkle Ferne,

Sollt' es die Tage nicht auch bezwingen?

Vorbei mir zog der lorbeerumkränzte Tag,
Umrauscht vom eitlen Sturme der Welt!
Die Leyer nun in stiller Heimat

[merged small][ocr errors]

Es schwieg

Klang sie zu spät, o Vater?

F. de la Motte Fouqué (21. Oct. 1819).

Das Brüderpar.

Als Centauren gingen sie einst durch poetische Wälder,
Aber das wilde Geschlecht hat sich geschwinde bekehrt.
Schiller (Xenien).

Hölty.

Mehr, als ein Dichter lesen soll,

Las Hölty; und sein Lied war von Geles'nem voll:
Ein bischen Witz liest Versmann, und nicht mehr;
Darum ist auch sein Lied so leer.

Hölty und E. Schulze.
Auf dem Kirchhof in Göttingen.

Ein Abendhauch, der durch Cypressen flüstert,
Weht sanft heran und mahnt an jene Beiden,
Die vom Beginnen bis zum frühen Scheiden
Ein trüber, leiser Wehmutshauch umdüstert.

Kästner.

Des Einen Lyra hat uns hold umflüstert

Mit Klängen aus den alten Ritterzeiten,

Der Andre hat den Ton der deutschen Saiten

Mit dem der alten Griechen schön verschwistert.

Und ist vorüber auch der Träne Pressen,
Und haben selbst die Dichter sich erhoben,
Als Männer einzutreten in das Feuer:

Euch Jünglinge wird nie das Volk vergessen,
Dass ihr mit süfsen Klängen habt umwoben
Den sanften Wehmutstraum, der ihm so teuer.

Th. Creizenach.

An eine Lieblingsbuche meines Gartens,

in deren Stamm ich Höltys Namen schnitt.

Holdeste Dryas, halte mir still! es schmerzet nur wenig: Mit wollüstigem Reiz schliefst sich die Wunde geschwind. Eines Dichters Namen zu tragen bist du gewürdigt,

Keinen lieberen hat Wiese noch Wald mir genannt. Sei du künftig von allen deinen Geschwistern die erste, Welche der kommende Lenz wecket und reichlich belaubt, Und ein liebendes Mädchen, von deinem Dunkel umduftet, Sehe den Namen, der, halb nur verborgen, ihr winkt. Leise drückt sie, gedankenvoll, die Lippen auf diese

Lettern, es dringet ihr Kuss dir an das innerste Mark. Wehe der Hand, die dich zu schädigen waget! Ihr glücke Nimmer, in Feld und Haus, nimmer ein friedliches Werk!

Eduard Mörike.

Am Grabe Höltys.

Hölty! dein Freund, der Frühling ist gekommen!
Klagend irrt er im Haine, dich zu finden;
Doch umsonst! sein klagender Ruf verhallt in

Einsamen Schatten!

Nimmer entgegen tönen ihm die Lieder

Deiner zärtlichen schönen Seele, nimmer

Freust des ersten Veilchens du dich, des ersten
Taubengegirres!

Ach an den Hügel sinkt er deines Grabes
Und umarmt ihn sehnsuchtsvoll:,,Mein Sänger
Tot!" So klagt sein flüsternder Hauch dahin durch
Säuselnde Blumen.

N. Lenau.

Auf Höltys Todestag.
1. Sept. 1776.

,,Ihr Freunde hänget, wann ich gestorben bin,
Die kleine Harfe hinter dem Altar auf,

Wo an der Wand die Totenkränze
Manches verstorbenen Mädchens schimmern.

,,Der Küster zeigt dann freundlich dem Reisenden
Die kleine Harfe, rauscht mit dem roten Band,
Das, an der Harfe festgeschlungen,
Unter den goldenen Saiten flattert."
Hölty, der Auftrag (1776).

Noch hängt sic, Hölty, dort am geweihten Ort,
Die kleine Harfe mit dem verblassten Band,
Noch tönen oft im Abendhauche

Leis wie im Traume die goldnen Saiten.

Nicht viel Akkorde zälte dein Saitenspiel,
Nicht stolzen Klanges reifst es die Herzen fort,
Doch sanft und süfs mit holder Wehmut
Rührt es mir immer aufs neu die Seele.

Du sangst den Frühling,

der dir so kurz geblüht;

Sangst Liebe, der du nie eine Braut geküsst;
Sangst:,,Wunderschön ist Gottes Erde!"
Schon mit dem Tod im Jünglingsherzen.

Kein Weltschmerzdichter, welcher sein kleines Weh
Zum Riss aufdonnert, der durch das Weltall klafft,
Nein, in der Schöpfung Harmonieen

Liefsest du lächelnd dein Leid verklingen.

Kein Himmelsstürmer, welcher mit kecker Stirn
Gottleugnerisch dem Schöpfer ins Antlitz trotzt,
Nein, streng geführt auf rauhem Pfade,
Priesest du kindlich den Vater droben.

Am Frühlingsanfang, da sich im deutschen Hain
Die ersten Sänger übten im Wettgesang,
Da tönte süfs dein Lied vor allen,

Sänger des Lenzes und ,,Traumbilddichter!"

Wol schöner prangt der pupurnen Rose Kelch,
Wol voller tönt der Nachtigall Wonnelied,
Doch freut mich auch die Apfelblüte
Und der bescheidne Gesang der Drossel.

Drum oft noch unter'm blühenden Apfelbaum,
Am Frühlingsabend, dort auf der Gartenbank,
Sind's deine Lieder, holder Hölty,
Drauf mir die Blüten herniedersäuseln.

K. Gerok (1876).

Nun lustwandelten jene, von längeren Schatten begleitet,
Über des Borns durch Kiesel zum See abfliefsendes Bächlein
Hin zu dem duftenden Hügel, wo schlankere Birken gen Himmel
Säuselten, Tannensat sich erhob mit gelblichem Jahrwuchs,
Und Wachholdergesträuch um die Hünengräber der Vorwelt
Wuchernd kroch, und glänzte der Hulst mit stachlichten Blättern.
Einzeln rauschten umher auch Mastbäum' unter den Wolken,
Ostwärts alle gebeugt von des siebenundvierzigsten Jahres
Winterorkan. Sie umschauten die weithin lachende Landschaft,
Fruchtfeld, Au'n voll Herden, Gehölz und türmende Dörfer,
Gegen Eutin, wo weislich die Pfründ' ausspähte der Domherr;
Plauderten viel und sangen empfundene Lieder von Stolberg,
Bürger und Hagedorn, von Claudius, Gleim und Jacobi;
Sangen: „O wunderschön ist Gottes Erde!" mit Hölty,
Welcher den Tod anlacht', und beklagten dich, redlicher Jüngling.

J. H. Voss (Luise).

« PoprzedniaDalej »